Saree, Essen und Feiern

Am Mittwoch waren wir Freiwilligen zu einer Wedding-reception eingeladen. Das heißt, dass das Brautpaar seine Hochzeit in einem bestimmten Kreis bekanntgeben und nochmal feiern wollte. Der Bräutigam war früher ein Kind in einem der Projekte, die zu unserer Organisation gehören und deswegen wollte er seine Hochzeit nochmal mit allen Mitarbeitern und Freunden von damals feiern. Die richtige Trauung war bereits am Wochenende gewesen.

Zu den Feierlichkeiten sollten wir Mädchen einen Saree tragen. Die Inder finden es ganz toll, wenn Frauen Saree tragen, weil es sehr traditionell und schön aussieht. Von der Schattenseite des Sareetragens bekommen sie ja nichts mit. Zumindest für uns hat der Saree einen große Schattenseite: die des Anziehens. An diesem Morgen haben wir 2h gebraucht, um endlich einigermaßen ordentlich auszusehen. Die weiblichen Freiwilligen, die schon länger in Indien waren, sind schon abgereist und deswegen waren wir vier auf uns allein gestellt. Trotz des Internets und vier guten Gedächtnissen konnten wir uns vor auseinanderfallenden Stoffen nicht retten.

Ein „Saree-Outfit“ besteht aus einem Petticoat, der als Unterrock dient, einer Blouse, die im Endeffekt wie ein bauchfreies T-Shirt ist und dem eigentlich Saree, eine 6-7m lange Stoffbahn. Diese Stoffbahn wird dann kompliziert um den Körper gewickelt und es müssen viele kleine Falten gelegt werden. Fixiert wird es dann, indem man alles in den Petticoat stopft oder mit Sicherheitsnadeln feststeckt.

Vor den Feierlichkeiten wurden wir Mädels aber trotzdem nochmal rausgezogen und in einen Nebenraum gebracht. Dort haben dann einige indische Frauen mit schnellen professionellen Handgriffen alles nochmal ordentlich gemacht. Sicherheitsnadeln werden eigentlich nur an zwei Stellen genutzt, weswegen auch unsere ganze Sammlung von Sicherheitsnadeln am Saree belächelt wurde.

Endlich ordentlich angezogen -für die Jungs reicht übrigens einfach eine Stoffhose und ein Hemd- konnten wir dann die Feier genießen. Wie bei jedem Fest, auf dem wir bisher waren, wurde viel getanzt und gesungen. Ein Segen wurde gesprochen und es folgte ein indisches Ritual, bei dem alle (wichtigeren) Gäste dem Brautpaar Blütenstaub, Reis und Blumen als Zeichen für Fruchtbarkeit über den Kopf streuen dürfen. Auch wir Freiwilligen hatten die Ehre. Nach unzähligen Fotos ging es dann endlich zum Essen.

Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie so viele Leute mehr als satt werden können durch das Essen hier. In riesigen Töpfen und mit vielen helfenden Händen wurden Reis, Hühnchen und andere indische Spezialitäten ausgeteilt. Gegessen wird im Stehen oder auf dem Boden sitzend. Wir waren ca. 600 anwesende Leute, wodurch Tische und Stühle für alle ein logistisches Problem dargestellt hätten.

Trotz netter Gespräche und vielem Händeschütteln endet die Feier ziemlich abrupt nach dem Essen und alle fahren in Bussen, Jeeps oder per Rikscha wieder heim.

Auch gestern Abend waren wir noch auf ein Fest eingeladen. Einer der Pfarrer hat Justus und mich gefragt, ob wir ihn beim Besuch seiner muslimischen Freunde begleiten wollen. Am 22.08. begann ein viertägiges islamisches Opferfest und so konnten wir auch dort wieder in den Genuss von Unmengen an Essen kommen. Wir wurden unglaublich freundlich empfangen und haben uns sehr willkommen gefühlt. Wir waren sehr dankbar, dass uns Father Ignatius mitgenommen hat, weil es uns die Chance gab in das Leben einer indischen Familie ein bisschen einzutauchen. Mit Freude beantworteten uns die Menschen dort jede noch so kleine Frage und so haben wir einen tollen Kulturaustausch gehabt.

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