Manege frei! Oder sowas in der Richtung…

Am Sonntag war für die Kinder von Navajeevan ein besonderer Tag. Ein anonymer Sponsor hat jedem Navajeevan-Kind einen Besuch im Zirkus, der gerade in der Stadt war, ermöglicht.

Das Besondere daran war eigentlich, dass wirklich alle (!) Kinder kommen durften. Somit haben die über 100 Kinder aus dem Chiguru sich in den Bus gesetzt oder die Jungs aus dem Vimukthi die 2h-Rikscha-Fahrt in Kauf genommen. Schon am Vormittag haben wir bei unserer Arbeit gemerkt, wie aufgeregt die Kinder waren. Sie haben uns ständig gefragt, ob wir auch zum Zirkus diesen Nachmittag kommen und uns erzählt, dass sie hindürfen. Die Aufregung war wirklich fantastisch!

Als wir dort waren, alle Kinder auf Plastikstühlen saßen und die Aufregung immer weiter zunahm, dauerte es noch kurz bis es losging.

Man hätte dann aber auch gut den Anfang aus Versehen verpassen können, denn so wie ich mich an meiner Zirkusbesuche als Kind erinnere, war es nicht wirklich. Es gab keinen Zirkusdirektor, der alle Artisten ankündigt und in ein Mikro ein paar witzige Sprüche schreit. Stattdessen war alles kommentarlos und nur Musik lief ab und an. Zum Anfang liefen einige Frauen mit Fahnen ein und schon da war ich ein bisschen verunsichert, da keine der Frauen so wirkte, als hätte sie Spaß bei ihrer Arbeit.

Das Programm war eine Mischung aus vielen beeindruckenden Akrobatik und Gymnastikübungen, eine Hundedressur-Nummer, Feuerspuckern aber auch Clowns durften nicht fehlen. Es gab sogar eine Motorradkugel, die die Kinder, glaube ich, am meisten fasziniert hat.

Der Abschluss wurde mit einer großen Trapezübung gestaltet.

Nach zwei Stunden war die Show (und auch die Kinder) dann fertig, aber auch das wusste man nur, weil einfach nicht nochmal Artisten in die Manege kamen und nicht weil jemand das Publikum offiziell verabschiedete.

Bei allen Akrobatik-Übungen mit einem Seil, wurde das Seil übrigens immer von einigen Männern am Rand der Manege gezogen und lockergelassen.

Es gab einige Dinge, die mich sehr verwundert haben, während der Vorführung. Zum einen tatsächlich, dass die Artisten nicht so richtig Spaß zu haben schienen. Die Frauen haben eigentlich nie gelächelt, sondern schieben so, als müssten sie jetzt einfach nur ihre Übungen abarbeiten, um dann endlich wieder zu gehen. Dann aber auch, dass die Frauen so knappe Kostüme tragen konnten, während sonst in Indien keine Frau zu viel Haut zeigen darf und wir alle immer sehr auf unsere Kleidung achten müssen. Dann hat mich die Klatschkultur im Zirkus sehr verwundert, da sie offenbar nicht vorhanden war. Ab und an haben manche Leute geklatscht, wenn sie gerade Lust darauf hatten. Aber wie ich es gewohnt war – nämlich einfach direkt nach einer Zirkusnummer – so war es nicht.

Ich war sehr froh, dass die Kinder die Möglichkeit für so einen aufregenden Ausflug hatten und habe mich richtig mit ihnen gefreut! Aber ich persönlich muss nicht nochmal unbedingt in den Zirkus…

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