Unsere Volo-Familie

In unseren zwei Wohnungen sind wir jetzt 13 Freiwillige aus vier verschiedenen Nationen, die zusammen leben. Zurzeit sind wir acht Mädchen und fünf Jungs.

Österreich

Die drei Jungs heißen Jonathan (Johnny) , Tobi und Flo und sind zwei Tage nach uns angekommen. Wie Justus und ich bleiben sie auch ein Jahr hier. In Österreich gibt es eine allgemeine Wehrpflicht oder die Wahl einen Zivildienst zu machen. Daher haben die drei sich entschieden ihren Zivildienst im Rahmen eines Freiwilligendienstes hier zu machen. Tobi bestellt gerne Grüße an alle möglichen Familienmitglieder von uns, Jonathan ist unser Virtuose auf der Gitarre und Flo hat mit all den indischen Motorradfahrern gute Gesellschaft gefunden.

Vera und Anna wohnen direkt im Zimmer neben mir und teilen auch unter der Woche den Alltag mit mir. Sie sind zwei Tage vor Justus und mir angekommen. Hier in Indien machen sie ihr Praktikum für ihr Studium Soziale Arbeit. Darum werden sie auch schon Mitte November wieder zurück nach Österreich fliegen und im Sommer ihren Bachelor machen. Von Anna und Vera sollte ich mir eigentlich sehr viel von ihrem gesunden Lebensstil abschauen. Mit täglichem Yoga und Work-Out sind sie meiner Faulheit eindeutig überlegen. Außerdem sind beide hier absolute Frühstücksliebhaber.

Markus ist am längsten von uns hier. Er ist schon im Februar gekommen und deswegen unser flat-Ältester oder auch einfach „der Opa“. Das heißt sein erstes Halbjahr hat er schon hinter sich und steckt jetzt schon im zweiten. Im Februar nächsten Jahres wird er dann auch zurückfliegen. Mit Markus haben wir einen richtigen Vijayawada-Insider, denn er weiß, wo es den besten Fruit Juice gibt, wo man seine Kopien machen sollte oder wie man am schnellsten auf den Berg sprintet.

Liechtenstein

Stefanie (Steffi) kommt aus Liechtenstein. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, als wir durch Steffis Erzählungen realisiert haben, wie klein Liechtenstein echt ist. Nicht nur, dass sie keinen Bahnhof (geschweige denn einen Flughafen) oder keine einzige Autobahn in ihrem ganzen Land haben; in Steffis Reisepass ist sogar extra eine Karte von Europa, auf der ein großer Pfeil auf Liechtenstein zeigt. Dies war notwendig, weil es einige Vorfälle gab, bei denen die Passkontrollen Liechtensteiner Pässe als Fälschung sah und der Meinung waren, das Land existiere nicht. Steffi jedenfalls kommt aus dem wirklich existierenden Liechtenstein und hat auch im Frühling Abi gemacht. Sie kam zwei Wochen nach uns an und bleibt bis Mitte Dezember. Wenn Steffi einmal schläft, könnte man um sie herum ein Konzert starten, auf indische Trommeln hämmern oder die ganze Wohnung auf den Kopf stellen und sie würde weiterschlafen. Außerdem gehe ich unglaublich gerne jeden Sonntag mit ihr ein Eis essen.

Niederlande

Die beiden Niederländerinnen Wieske und Swaan sind unsere neusten Volos, weil sie als Letzte von uns ankamen. Auch sie haben die Schule abgeschlossen und nehmen sich jetzt eine Auszeit in Indien. Ihr Flug zurück steht im Februar an. Mit den beiden sprechen wir immer eine Deutsch-Englisch-Niederländisch-Mischung. Denn gerade wenn mir das Englische Wort nicht einfällt, sage ich einfach das deutsche Wort und das ähnelt dann meistens sowieso dem niederländischen Wort. So haben wir eine recht merkwürdige aber auch bunt gemischte Konversation.

Deutschland

Lilli und Sophia kamen einen Monat nach uns, machen aber so ziemlich das selbe wie wir – also auch einen weltwärts-geförderten Freiwilligendienst. Somit bleiben sie ebenfalls ein ganzes Jahr. Wir sind also sieben Freiwillige, die ein ganzes Jahr hier bleiben werden. Lilli und ich teilen auf jeden Fall unsere große Liebe zu Schokolade und so stehen unsere Snacks für einen gemeinsamen Filmabend sowieso immer schon fest. Sophia hingegen kämpft sich gerne durch das Chaos in unseren Küchen und zaubert mit wenigen Dingen ganz köstliche Sachen, während der Rest von uns eher einen großen Bogen um die Küche macht.

Zum Schluss sind da natürlich noch Justus und ich aus Deutschland.

Da hier vier Länder aufeinandertreffen, musste ich mich auch an einige neue Dialekte gewöhnen. Vor allem die Österreicher haben mich am Anfang ziemlich überfordert, aber mittlerweile weiß sogar ich es Wörter wie „fladern“, „zach“ oder „schirch“ zu benutzen. Nur wenn Steffi ihren Liechtensteiner Dialekt auspackt, bin ich immer noch halb überfordert. So habe ich hier nicht nur einen indischen Kulturaustausch, sondern noch einen mit meinen europäischen Nachbarländern – doppelter Kulturaustausch!

Die volo-Familie ist eine wahre Bereicherung für meinen Aufenthalt hier. Wir können uns über unsere Arbeit austauschen mit der Gewissheit, dass wir mit Menschen reden, die das am besten verstehen. Wir können uns gegenseitig helfen, wenn wir Schwierigkeiten mit manchen Kindern im Unterricht haben oder wenn wir eine berührende Geschichte eines Kindes verarbeiten müssen. Wir wohnen, essen und arbeiten zusammen, wir gehen uns manchmal auf die Nerven und sind oft dankbar einander zu haben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s