Mein Weihnachten in Indien

Nun war es endlich soweit: Weihnachten in diesem bunten, lauten und wundervollen Indien stand bevor! Wie damals als kleines Kind freute ich mich schon Tage vorher auf die Feierlichkeiten und alles was weihnachtlich wird.

Ich hatte einige Weihnachtsveranstaltungen, die ich besuchen sollte im Rahmen meiner Arbeit. So habe ich bereits am 21. Dezember mit meinen BVK-Mädels und den Mitarbeitern dort Weihnachten gefeiert.

Einen Tag später haben wir dann in meiner Schule Weihnachten (und auch den Ferienbeginn) gefeiert. Die Klassen, die in meinem Schulhaus unterrichtet werden, haben zusammen einen Tanz vorbereitet. Eine der Lehrerinnen hatte ihn choreografiert und er war den Eltern der Kinder gewidmet. In dem Song und mit dem Tanz sagen sie ihren Eltern Danke für die Hilfe und Unterstützung und dass sie sie sehr lieb haben. Ein herziger Tanz! Auch die Lehrerinnen und ich haben wieder zusammen getanzt. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe mich schon viel sicherer gefühlt als noch beim letzten Mal im September.

Am Sonntag war dann die große Navajeevan-Weihnachtsfeier. Alle Projekte, also wirklich alle Kinder und alle Mitarbeiter, haben sich im Chiguru, dem größten Projekt, getroffen. Nach langem Programm wurde gemeinsam zu Mittag gegessen. Es war einfach super alle Kinder mal gemeinsam zu sehen. Man kennt doch aus dem ein oder anderen Projekt manche Kinder, die man nur zu solchen Anlässen sieht und auch die anderen Freiwilligen mit ihren Kindern zu sehen, ist eher ein seltener Anblick. Besonders toll fanden es alle Kinder als wir Freiwilligen einen Tanz gemeinsam vorgeführt haben.

Ich fand es sehr interessant, dass die Weihnachtsfeiern hier alle als „Semi-Christmas“ (also Halb-Weihnachten) bezeichnet werden. Während in Deutschland schon in der gesamten Adventszeit Weihnachtsfeiern stattfinden, ist hier Weihnachten tatsächlich erst am 25. Dezember. Für die Weihnachtsfeiern wird sich natürlich rausgeputzt und so habe ich die letzten Tage über sehr viel Saree getragen und mich auch teilweise mit Schmuck behangen. Außerdem habe ich dieses Weihnachten, glaube ich, so oft das Lied „Jingle Bells“ gehört, wie mein ganzes Leben nicht. Allerdings nur die Partyversion 😉 es ist nämlich immer ein Weihnachtsmann rumgesprungen und hat Stimmung verbreitet. Interessanterweise musste der Weihnachtsmann eine Maske aufsetzen, durch die er eine weiße Hautfarbe bekam. Warum auch immer der Weihnachtsmann weiß sein muss… Auf jeder Veranstaltung wurden sich auch immer die Weihnachtswünsche entgegengeschrien nach folgendem Prinzip: der Redner auf der Bühne ruft „Merry Merry Christmas“ und die Anwesenden antworten mit „Happy Happy Christmas“ und andersrum.

Zum Heiligabend bin ich nur ins RVTC gefahren und habe dort mit den Jungs ein bisschen gequatscht und ihre neuen Spiele ausprobiert.

Leider kam dann ein Anruf von Tobi, dass Markus ins Krankenhaus gebracht werden muss. Markus, unsere gute Seele, liegt nun seit Heiligabend mit Diagnose Malaria im Krankenhaus. In der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember haben Swaan und Lilli bei ihm übernachtet, damit er nicht allein ist. Die beiden haben Weihnachten wirklich gelebt, ich bin ihnen unglaublich dankbar.

Ich bin zur Christmesse ins Chiguru gefahren und habe dort einen Telugu-Englisch-Gottesdienst erleben dürfen. Es war sehr anders als in Deutschland, denn musikalisch wurden wir nur von einer Trommel begleitet. Es wurde viel aus der Bibel gelesen und die Stimmung war ganz anders als ich es gewohnt bin, aber nicht weniger feierlich.

Und wenn nach dem Weihnachtsgottesdienst in Deutschland Sekt und Champagner ausgepackt werden, wurden bei uns die Musikboxen aufgedreht und wir haben noch über zwei Stunden nach dem Ende des Gottesdienstes mit den Kids getanzt. Das war wahnsinnig lustig und eine ganz andere Art die Geburt Jesu zu feiern und trotzdem so angemessen! Der Pfarrer sagte davor im Gottesdienst, dass Tanzen die Freude über das Wunder Jesu ganz besonders ausdrückt und das haben wir dann wörtlich genommen.

Am 25. Dezember hatten wir dann frei und unser freiwilligeninterne Weihnachtsfeier startete. Fünf Freiwillige hatten ihre Familien zu Besuch und während Flo und seine Familie Weihnachten im Urlaub feiern, haben die anderen Familien kräftig mit uns mitgefeiert. Außerdem kamen noch zwei Mädels, die ihren Dienst im Norden Indiens absolvieren und gemeinsam mit Lilli und Sophia die Vorbereitung hatten. Alle haben mitgeholfen vorzubereiten, alles aufzubauen und vor allem die Verantwortlichen fürs Essen haben ganze Arbeit geleistet.

Das Dach wurde in kurzer Zeit in eine richtige Weihnachtsoase verwandelt und als eine der Mamas das gesehen hat, bekam sie Tränen in den Augen und sagte: „nun ist endlich Weihnachten!“ Das war ein sehr berührender Moment.

Wir alle kamen dann zusammen und haben gemeinsam all die traditionellen Weihnachtslieder gesungen, haben die Weihnachtsgeschichte gelesen und die Gemeinschaft genossen. Für mich war der bewegendste Augenblick als zum Beten des Vaterunsers sich plötzlich alle wie selbstverständlich an den Händen gehalten haben.

Natürlich gab es auch Geschenke! Wir Volos haben untereinander gewichtelt und ausnahmslos jeder hat ein sehr persönliches Geschenk bekommen, was zeigt, wie gut wir uns schon kennen!

Drei von uns haben sich entschlossen, dass wir uns als Flat-Familie zu Weihnachten mal gemeinschaftlich was gönnen. Ich denke, in meinem ganzen Leben werden sich nie wieder so viele Leute in diesem Ausmaß über ein derartiges Geschenk freuen: wir haben uns eine Popodusche für jede flat gekauft. In Indien verzichtet man ja auf Klopapier, sondern nutzt nur Wasser und eine Popodusche ist dabei eine gute Unterstützung und vor allem nimmt sie viel Arbeit ab. Dieses doch eher ungewöhnliche Geschenk hat für viel Begeisterung gesorgt und musste natürlich sofort montiert werden!

Danach wurde fleißig gegessen, gequatscht und gelacht. Es war ein unglaublich schöner Abend. Danke an alle, die dieses Weihnachten unvergesslich gemacht haben und Danke für jede Unterstützung, jedes herzerwärmendes Wort und jede Umarmung!

Dies war mein erstes Weihnachten ohne meine Familie. Trotzdem habe ich Weihnachten mit Familie gefeiert. Die anderen Volos sind mir eine unglaubliche Stütze und wir sind schon so zusammengewachsen. Ich hatte Weihnachten mit der Familie: meine Volo-Familie hier und meine Familie im Herzen.

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