Debora und Cara auf Tour – Teil 1

Im Januar steht jetzt (endlich) mein erster Urlaub an! Mir stehen im ganzen Jahr 30 Urlaubstage zu und die ersten 10 nehme ich jetzt in Anspruch. In letzter Zeit habe ich gemerkt, dass ich den Urlaub schon nötig hatte. Durch Weihnachten und Silvester war ich teilweise noch etwas gestresst und ausgelaugt und auch im Bezug auf die Kids und die Frauen im BVK war ich in einigen Situation emotional noch zu sehr verstrickt.

Meine Reisepartnerin ist Debora. Debora und ich haben uns durch unsere BDKJ-Vorbereitungsseminare kennengelernt. Wir sind schnell sehr gute Freunde geworden und haben eine enge Beziehung entwickelt. Mit Justus zusammen sind wir die BDKJ-Indien-Gruppe und stehen in regelmäßigem Austausch. Während Justus und ich in Vijayawada (Staat Andhra Pradesh im Südosten) wohnen, arbeitet Debora im kleinen Bundesstaat Kerala ganz im Süden Indiens. Sie lebt mit Schwestern in einem Kloster und unterrichtet in einer Schule, die von den Schwestern dort geleitet wird.

Debora und ich planen seit drei Monaten nun schon unsere kleine Rundreise, die sich durch Südindien ziehen soll. Mit Rucksack auf dem Rücken und dem super ausgebauten indischen Zugnetz haben wir die perfekte Grundlage für unsere Reise. Was mich bei der Vorbereitung durchgängig beeindruckt hat, war die Tatsache, dass wir an keiner unserer Station alleine sein werden. Über drei Ecken kannte irgendwer immer irgendwen an unseren Reisezielen. So hatten wir keine Umstände mit dem Buchen von Unterkünften oder großartiger Tagesplanung. Nur mit guter Laune, Offenheit und Spontanität sind wir gestartet.

Meine Reiseroute

1. Stopp: Vijayawada

Am Mittwoch ist Debora nach 24 h Zugfahrt bei mir in Vijayawada angekommen. Trotz der langen Reise hatten wir uns so viel zu erzählen, waren so aufgeregt uns wiederzusehen und voller Vorfreude auf unseren Urlaub! Ich habe mich unglaublich darauf gefreut Debora so viel wie möglich von meinem Leben hier in Vijayawada und vor allem von meinen Projekten zu zeigen. Die zweieinhalb Tage, die wir hatten, waren voller Programm. Fünf Projekte konnten wir uns anschauen, meine lieben Menschen in Navajeevan hat sie kennenlernen können und vor allem auch meine Volo-Familie. Das war mir besonders wichtig. Auch Shopping stand natürlich auf dem Plan, denn Debora wohnt in einem Dorf. Auch wenn ich Vijayawada mittlerweile schon als kleine Stadt wahrnehme, war Debora komplett überrumpelt von dem Stadtleben. Besonders das erste Mal Fahrradfahren in Indien war eine Herausforderung, die sie aber super gemeistert hat 😉

Debora hat mir oft gesagt, dass hier alles anders ist. Beim Aussteigen aus dem Zug hatte sie das Gefühl in einem komplett anderen Land zu sein. Die Straßen, das Essen und die Umgebung sehen komplett anders aus. Auch an meinen anderen Dresscode hier musste sie sich erst anpassen. Wir konnten das beide kaum glauben, aber so unterschiedlich ist es nun mal innerhalb von Indien. Den selben Schock bekomme ich bestimmt, wenn ich dann bei ihr ankomme!

Besonders schön war es auch, dass die BDKJ-Indien-Gruppe wiedervereint war!

Nach einem besinnlichen Hügellauf am Freitagabend sind wir dann in der Nacht mit Snacks bepackt in den Zug gestiegen.

2. Stopp: Chennai

Am Samstagmorgen sind wir in Chennai angekommen und wurden von einem Bekannter einer der Schwestern in Deboras Kloster abgeholt. Der Bekannte hatte sich auch schon um unsere Unterkunft in Chennai gekümmert. Mit zwei seiner Freunde haben wir dann ein angenehmes Sightseeing-Programm bekommen.

Wir sind ein bisschen außerhalb von Chennai gewesen und waren dort in einem wunderschönen Park mit beeindruckenden Steingebilden, einem schönen Leuchtturm und toller Natur. Auch einen Strandspaziergang konnten Debora und ich genießen.

Am Sonntag und Montag wurden wir von einem anderen Bekannten und seiner Schwester rumgeführt, mit dem Debora schon vorher in Kontakt stand.

Er hat uns eine riesige Shopping-Mall gezeigt, die uns nach Europa zurückversetzt hat. Wir waren in mehreren Kirchen, einem anderem Leuchtturm und am längsten Strand Indiens, der sich in Chennai befindet.

Eine Kirche war sehr besonders. Sie wurde auf den Reliquien des Heiligen Thomas, Jünger Jesu, gebaut und gehört damit zu einer der einzigen drei Kirchen dieser Art auf der ganzen Welt (die anderen beiden: Santiago de Compostella und der Petersdom in Rom)

Aber nicht nur deswegen war die Kirche für uns besonders. Als wir die Grabstätte betreten haben, wurden wir kurz stutzig. Dort fand ein deutscher Gottesdienst statt! Die letzten Minuten, die wir noch mitbekommen konnten, haben wir sehr genossen! Nach all den englischen Messen oder Gottesdiensten auf Telugu (regionale Sprache bei mir) Bzw. Malayalam (regionale Sprache bei Debora) war das eine wundervolle Abwechslung! Der Gottesdienst fand statt, weil ein indischer Pater, der in Deutschland lebt, eine Reise nach Indien für seine Gemeindemitglieder organisiert hat. Wir kamen danach nicht umhin mit der Gruppe ins Gespräch zu kommen. Auch die deutschen Reisenden waren ganz begeistert uns zu treffen, waren wundervoll interessiert an unserer Arbeit und gaben uns ein Stück Heimat. Alle waren ganz euphorisch wegen dieser Begegnung und einige der Gruppenmitglieder kamen auf mich zu und wollten mich einfach umarmen und mir nur das Beste wünschen. Mit dem Zufall noch nicht genug, stellte sich heraus, dass der Pater zwei deutsche Freiwillige in Indien kennt. Die beiden kannten wir! Debora und ich haben sie auf einem organisationsübergreifenden Länderseminar kennengelernt und wir werden sie auch in ein paar Wochen auf einem Zwischenseminar wieder treffen. Indien ist doch ganz klein!

Die Begegnung mit der deutschen Reisegruppe hat mich unglaublich berührt. Die ganze lieben Wünsche und bestärkenden Worte haben mir sehr, sehr viel Mut geschenkt. Ein Stück Heimat in diesen Personen zu finden, war ein ganz unbekanntes und so schönes Gefühl, damit hatte ich nie gerechnet. Wie Kirche immer wieder zusammenbringt, beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue.

Wir haben unsere Tage in Chennai unfassbar genossen! All die Fürsorglichkeit der Inder hat uns gut aufbewahrt fühlen lassen. Wir hatten so viele tolle Begegnungen mit Indern, aber auch mit Menschen aus Deutschland, den Niederlanden oder Russland. Mich persönlich fasziniert die Offenheit der Menschen hier immer wieder und ich bin sehr dankbar dadurch mit so vielen wundervollen Menschen in Kontakt treten zu können. Ich wünsche mir, dass Zuhause die Menschen manchmal ihre Skepsis mehr ablegen können.

Ich genieße den Urlaub sehr und die wenigen Tage, die bisher erst vergangen sind, haben mir schon sehr viel gegeben. Ich freue mich unglaublich auf das, was uns noch bevorsteht und bewahre alle tollen Begegnungen im Herzen auf.

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