Debora und Cara auf Tour – Teil 2

Glücklicherweise ist mein Urlaub noch nicht vorbei und unsere nächsten Stopps folgen:

3. Stopp: Puducherry/Pondicherry

Nach einer entspannten Zugfahrt kommen wir in Puducherry (engl.) oder auch Pondicherry (Tamil = regionale Sprache) an. Diese Stadt gehört zum gleichnamigen Unionsterritorium. In Indien gibt es sieben Unionsterritorien, u.a. Delhi oder die Andamanen und Nikobaren. Das Gebiet war bis Mitte des 20. Jahrhunderts unter französischer Herrschaft und so trifft man dort viele französische Touristen oder kann es sich in französischen Cafés bequem machen.

In Puducherry befindet sich ein Don Bosco Projekt und da mein Projekt Navajeevan Bala Bhavan ja ebenfalls zu Don Bosco gehört, stand es außer Frage, dass die Priester uns dort aufnehmen. Mir war diese Ehre gar nicht bewusst, aber als unser Vize-Provinzial vor einigen Monaten zu Besuch war, hat er das direkt für mich arrangiert. Die Gemeinschaft der Salesianer Don Boscos sind in ganz Indien verteilt und Gäste aufzunehmen ist für sie eine häufige Selbstverständlichkeit. So wurden wir vom Bahnhof abgeholt und nachdem ich es gar nicht fassen konnte, dass ich hier wirklich ein Zimmer für mich bekomme, haben wir mit den Fathers zu Abend gegessen.

Mittwochmorgen haben wir dann spontan entschieden nach Auroville zu fahren. Die Stadt liegt ca. 9 km außerhalb von Puducherry und ist ein besonderer und sehr spiritueller Ort. Die Idee hinter dieser Stadt ist es, einen Ort der Gemeinschaft zu kreieren. Ein Ort, an dem jeder frei ist, an dem man sich entfalten kann, an dem man sich bilden und Selbstverwirklichung kann – ein Ort, an dem Gemeinschaft regiert.

In Auroville gibt es keine Religion, sondern es ist ständig vom „Göttlichen“ die Rede. Dazu gibt es im Zentrum ein Gebilde, das Martimandri genannt wird und wo sich anscheinend die gesamte Spiritualität bündelt. Darin soll man sich ganz auf sich konzentrieren können.

Ich fand Auroville einfach nur faszinierend. Es scheint eine ganz ferne Philosophie dahinter zu stehen, eine für Außenstehende schwer zu verstehende Magie, die alle Bewohner dazu bewegt dort das Leben aktiv mitzugestalten. Ich kann jedem nur ans Herz legen sich das Präsentationsvideos anzuschauen und ein bisschen zu versuchen, das ganze Konzept und Lebenssystem dieser Stadt zu verstehen.

Da sich unser Glück von wundervollen Begegnungen wirklich Tag für Tag durchgezogen hat, bekamen wir sogar die Möglichkeit mit ein paar Bewohner dieser Stadt zu sprechen. Viele von ihnen wollen ungern wieder woanders wohnen. Diese Stadt soll ein Ort von weltlicher Gemeinschaft sein, es wohnen also Menschen von über 50 Nationen dort. Eine Frau aus Frankreich, die in Paris gewohnt hat, erzählte mir, dass sie seit 12 Jahren hier wohnt und Frankreich kein bisschen vermisst. Ein Frau aus den Niederlanden kommt seit 18 Jahren regelmäßig nach Auroville und versucht nun komplett dorthin zu ziehen.

Neben dem Kennenlernen dieses besonderen Ortes haben wir aber auch die Stadt Puducherry erkundet. Einer der Fathers nahm uns mit, zeigte uns riesige Kirchen, den Strand und lud uns zum europäischen Abendessen ein.

Aufgrund der französischen Geschichte in Puducherry gibt es auch heute noch ein Stadtviertel, das ein wenig französischen Flair versprüht. Man findet kleine Cafés und mehr weiße Häuser als normalerweise. Deswegen wird dieses Viertel auch als White Town bezeichnet. Ich habe mich besonders gefreut hier wieder richtigen Kaffee zu genießen!

Leider war unser Aufenthalt in Puducherry nur recht kurz und so ging es Freitagmorgen zurück nach Chennai, damit wir dort am Abend in den Zug nach Ernakulam steigen konnten.

4. Stopp: Ernakulam/Kochi

Am Samstagmorgen sind wir dann angekommen und wurden von einem befreundeten Priester von Debora in Empfang genommen. Father Gregory ist ein Priester, der schon seit vielen Jahren immer mal in Deutschland lebt und dort als Pfarrer tätig ist. Im März wird er für ein Jahr in Deutschland als Kaplan arbeiten. Dadurch versteht er Deutsch natürlich perfekt und Deutsch mit indischen Akzent zu hören, war für mich eine richtige Freude!

Father Gregory hat sich auch um unseren Schlafplätze gekümmert und da kam er mit einer riesigen Überraschung: wir hatten ein ganzes Haus für uns alleine! Eine befreundete Familie von ihm hat dieses Haus letztens erst renoviert und bevor sie es vermieten werden, durften wir noch ein paar Tage darin wohnen.

Diese Familie hat uns dann auch ein bisschen herumgeführt. Als Ernakulam wird die neue, moderne Stadt bezeichnet, die sich herausgebildet hat als Kochi an Bedeutung gewann. Kochi ist eine Halbinsel und durch deren Nähe zum Ozean der Hafen und die Fischerei der Stadt mehr und mehr Wichtigkeit gab.

Am Fort Kochi haben wir die riesigen chinesischen Fischernetze gesehen, die an langen Stöckern aufgespannt und mit Seilen ins Wasser gelassen werden. Wir sind am Meer entlang spaziert und haben riesige Frachtschiffe sehen können.

Auch die Straßen von Ernakulam haben wir erkundschaftet und waren in einer faszinierenden Kunstausstellung.

Am darauffolgenden Tag hat uns Father Gregory mit einer befreundeten Ordensschwester zusammen zu Wasserfällen gebracht. Es war sehr beeindruckend mit dieser wunderschönen Natur trotz des ausbleibenden Regens.

Anschließend hatte Father Gregory eine Einladung zu einer Messe bei einem Kirchenfest und wir sind natürlich mitgekommen. Der Gottesdienst war allerdings auf Malayalam (regionale Sprache) Debora sagte dazu nur: „Cara, jetzt teilst du endlich mal mein Schicksal!“

Am Abend wurde für uns von der Ehefrau der Familie noch indisch gekocht und wir durften helfen! Zwar war unser Ergebnis nicht ganz perfekt, geschmeckt hat es aber trotzdem und mit der Erfahrung lernt man ja.

Am Montagmorgen stand auf der frühen Tagesordnung noch ein Punkt, der vor allem für Debora sehr wichtig war: ich habe die verantwortliche Schwester ihres Klosters kennengelernt. Sr Mable ist leider gerade auf Besinnungswoche und daher nicht im Kloster aber wenigstens ist diese Besinnungswoche in Ernakulam, wo wir zufällig ja auch sind. Für eine Stunde hatten wir die Erlaubnis sie zu sehen und ich konnte sie treffen. Auch wenn wir uns nur kurz gesehen haben, kann ich sagen, dass diese Frau ein unglaublicher herzlicher und liebevoller Mensch. Ich bin froh, dass Debora bei ihr lebt.

Nun geht es auf zum letzten Teil unserer Reise!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s