Zwischenseminar in Trichy

Da ich ja einen von weltwärts geförderten Freiwilligendienst mache, gibt es einige Vorgaben von weltwärts. Dazu gehört neben den Vor- und Nachbereitungsseminaren auch ein Zwischseminar, also ein Seminar während meines Aufenthalts im Ausland. Das Zwischenseminar, bei dem mich der BDKJ angemeldet hat, wird von den Steyler-Missionaren in Sankt Augustin organisiert. Zum Zwischenseminar kommen Indien-Freiwillige von verschiedenen Organisation wie bei mir dem BDKJ oder den Franziskanern Salzkotten oder den Jesuiten. Ein Großteil der Freiwilligen, die an dem Seminar teilnehmen, habe ich schon mal bei einem Indien-spezifischen Länderseminar im Juni 2018 getroffen.

Beim Länderseminar Juni 2018 in Sank Augustin: indisch kochen

Das Seminar wird hauptamtlich von einem Steyler-Missionar namens Xavier organisiert, der gebürtiger Inder ist, aber seit schon fast 20 Jahren in Deutschland lebt. So sind Justus und ich nach chaotischen, anstrengenden und nervenaufreibenden vergangenen zwei Wochen sehr erleichtert in den Zug nach Trichy gestiegen. Trichy oder Tituchchirrappalli liegt in Tamil Nadu, dem Bundesstaat südlich von Andhra Pradesh. Mit dem Zug sind wir 17 Stunden gefahren und haben dann am Bahnhof Debora getroffen – die dritte im Bunde. So war die BDKJ-Indien-Gruppe wieder komplett.

Xavier kommt ursprünglich auch aus Trichy und so hatten wir die Ehre bei seiner Familie unterzukommen. In verschiedenen Häusern (bei Eltern, Schwester, Cousin etc. von Xavier), die sich alle im selben Viertel befinden, wurden wir einquartiert. Die Mama von Xavier hat für uns jeden Tag Frühstück und Mittagessen gekocht und abends durften wir in dem kleinen Restaurant, das von Xaviers Bruder geführt wird, zu Abend essen.

Obwohl wir bei indischen Familien gewohnt haben, waren wir ein Haufen Deutscher mit drei Leitern aus Deutschland. So habe ich direkt schon beim Ankommen schmunzeln müssen, als ich den Küchendienstplan an der Wand hängen sah. So deutsch! dachte ich mir, denn in Indien würde ein Plan solcher Art wohl kaum irgendwo aushängen, aber ich kannte das ja schon von allen möglichen Gruppenfahrten etc. aus Deutschland. Solche Kleinigkeiten haben mich die ganze Woche hindurch begleitet und mich immer wieder zum schmunzeln gebracht und ich habe mich gefreut ein bisschen Zuhause zu erleben.

Natürlich haben wir auch im Aufbau und der Struktur dieses Seminars unsere Seminare in Deutschland und die deutsche Organisation wiedererkannt.

Über Kennenlernen, Projektvorstellung und Kulturellem Training wurde auch ein ganzer Tag der Supervision gewidmet. Dabei haben wir uns in kleineren Gruppen immer für mindestens eine Stunde mit dem Problem von einem von uns auseinandergesetzt. Jeder hat seine persönliche Baustelle erläutert und die anderen konnten Tipps, Ideen oder auch eigene Erfahrungen einbringen. Nicht jedes Problem wurde direkt gelöst, aber es half immer einfach darüber zu reden und Meinungen und Reaktionen der anderen Freiwilligen, die ähnliche Arbeit tun, zu hören. Für mich waren aber besonders auch Themen wie Nachhaltigkeit oder Abschied nehmen und wieder in Deutschland Ankommen wichtige Themen.

Das klassische Bild von solchen Seminaren: die Besprechung im Stuhlkreis

„Nichts brennt so gut wie Plastik“

Zum Seminar gehörten aber auch Themen wie Globalisierung, die Rolle der Frau in Indien und das Kastensystem. Dazu haben wir u.a. auch Vorträge von Personen von außerhalb gehört wie z.B. einer Ordensschwester aus Puducherry.

Um über das Thema Globalisierung zu sprechen, sind wir am Dienstag in die Stadt Trichy gefahren und haben dort zunächst einem Vortrag eines Professors zugehört. Anschließend haben sich über 20 Studenten Zeit genommen, um mit uns ins Gespräch zu kommen. Dabei konnten wir sie alles fragen und wir durften vor allem auch über Themen reden, die normalerweise eher vermieden werden.

Xavier hat aber von Anfang an klargemacht, dass es für ihn am wichtigsten ist, dass wir bei diesem Seminar auch über uns selbst lernen und unsere eigenen Grenzen und Perspektiven mehr erfahren. Eine Aufgabe dafür war beispielsweise das Aufschreiben von „10 Geboten“, die uns helfen sollen Probleme und Schwierigkeiten in unserem Freiwilligendienst besser zu bewältigen.

Ein Höhepunkt während des Seminars war definitiv der Programmpunkt „europäische Küche“. Als wir uns Donnerstagabend alle zusammengefunden haben, gab es dann endlich mal keinen Reis, sondern solche schmackhaften Sachen wie Nudeln mit Tomatensoße (allerdings trotzdem mit einem Hauch indischer Gewürze und Schärfe), Bratkartoffeln, Rohkost mit Hummus, Kaiserschmarren oder Pudding. Das war für uns alle nach so lange Zeit doch wirklich wieder etwas besonderes! Ich bin zwar noch nicht in meiner rice crisis, aber Nudeln waren schon immer mein Leibgericht und das vermisse ich hier schon von Zeit zu Zeit. Ein Jahr zuvor beim Länderseminar noch indisch gekocht, haben wir dieses Mal wieder Essen aus der Heimat gekocht. Man will immer eben das haben, was man in dem Moment nicht hat… 😉

Am Samstag hatten wir Ausflugstag. Den ganzen Tag über sind wir mit einem Reisebus durch die nahe und ferne Umgebung gefahren und haben uns wichtige Sehenswürdigkeiten angeschaut.

Wir haben uns in Trichy den berühmten Tanjavur-Tempel angeschaut. Auch wenn ich bereits in vielen Tempeln hier war, finde ich die Atmosphäre dort immer wieder beruhigend und ich kann mich dort wohl fühlen. Das liegt aber auch sicherlich daran, dass man in Tempeln immer barfuß läuft und ich das einfach gemütlich finde.

Am Nachmittag sind wir dann ans Meer gefahren zur Wallfahrtskirche Velankanni. Das ist ein berühmter Pilgerort, wo sich mehrere größere und kleinere Kirche nah beieinander finden. Als es dort vor einigen Jahren einen Tsunami gab, haben angeblich nur die Menschen überlebt, die sich in dieser Kirche aufhielten. Daher wurde eine weitere riesige Kirche gebaut, die 20.000 Menschen fassen soll, damit im Falle eines weiteren Tsunamis, mehr Menschen gerettet werden können.

Die neue Kirche für 20.000 Menschen

Den Weg zwischen zwei Kirchen legen die Menschen hier teilweise meditierend auf Knien zurück

Wieder mal am Meer gewesen zu sein, war auch wunderbar! Allerdings ist an vielen Stränden in Indien immer eine große Menschenmenge zu finden und das Strand-Erholungsgefühl geht ein wenig verloren.

Justus und ich haben das Seminar sehr genossen, weil wir zwar trotz des ständigen Austauschs mit den anderen Freiwilligen in der Flat, es gut fanden, mehr über andere Projekte zu erfahren, ähnliche Probleme oder Erfahrungen zu hören und einfach wieder mal unseren Kopf anzustrengen, zuzuhören und aktiv mitzudenken. Nichtsdestotrotz haben wir uns dann auch wieder gefreut in Vijayawada zurück zu sein.

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