Umzug und Veränderungen – die Zeit rennt

Vor genau einer Woche bin ich umgezogen. Ich lasse meine Volo-Familie natürlich nicht einfach links liegen! Aber ich gehöre jetzt auch zu den Pendlern. Wie anfangs mal erwähnt, ist Navajeevan so strukturiert, dass es Projekte in der Stadt gibt (z.B. für Kinder, die auf eine öffentliche Schule gehen können oder aufs College) und es gibt Projekte, die bewusst außerhalb der Stadt Vijayawada liegen (z.B. für Kinder, die schon in Kontakt mit Drogen standen und die einfach vom Stadtleben erstmal ferngehalten werden sollten) Das heißt unter der Woche arbeiten wir im Projekte außerhalb der Stadt und am Wochenende kommen wir zum ausruhen zurück in die Stadt und die flat. Navajeevan sieht außerdem vor, dass die Freiwilligen nach 6 Monaten ihr Projekt wechseln. Dies liegt zum einen daran, dass wir so ein breiteres Spektrum der Arbeit von Navajeevan erleben können und vielfältigere Erfahrungen sammeln können. Zum anderen sind nach 6 Monaten auch sowieso einige strukturelle Veränderungen normal.

Damit meine ich zum Beispiel, dass wir uns im Februar von Swaan, Wieske und Markus verabschieden mussten. Diese Abschiede sind mir sehr schwer gefallen.

Ein letztes Foto mit Wieske und Swaan
Wir bringen Markus zum Flughafen und sagen auf ein Wiedersehen!

Wir sind vor allem in den letzten Wochen noch enger zusammengewachsen (wenn das überhaupt möglich war) Ich habe jede einzelnen Minute in unserer Volo-Familie genossen und vor allem die Ausflüge, die wir immer gemeinsam gemacht haben, waren voll mit Momenten, die einfach mein Herz erwärmt haben.

Ein Sleepover mit Swaan und Lilli auf dem Dach

Aber es geht natürlich weiter! Wir waren dann zwischenzeitlich wirklich wenig Volos! Für einige Zeit sogar nur zu viert, weil Tobi, Lilli und Sophia auch noch unterwegs waren. Das war schon sehr merkwürdig und wir haben uns immer umgeschaut „okay, wer fehlt noch? Oh…. niemand mehr!“ Anfang März kamen dann aber auch schon direkt Markus Nachfolger. Zwei Mädchen aus Österreich, die von „Volontariat bewegt“ entsandt wurden. Zwei Wochen später kamen dann auch noch Wieske und Swaans Nachfolgerinnen: zwei Niederländerinnen, die von „Samen“ entsandt wurden. Bald wird auch noch eine Niederländerin anreisen und dann haben wir auch wieder unsere übliche Volo-Anzahl erreicht, wenn wir wieder zu elft sind.

Nur zu viert in Vijayawada hatten wir eine entspannte Zeit

Zu meinem Projektwechsel kann ich sagen, dass ich mich nun auf meine Zeit im Chiguru freue! Das Chiguru wird auch als Kinderdorf bezeichnet, denn es ist ein großes Gelände inmitten von Bananenplantagen, das 105 Jungs und Mädchen ein Zuhause gibt. Die Kinder sind in fünf verschiedenen Cottages (also Gruppen) eingeteilt: zwei für die Jungs und drei für die Mädchen. Jedes Cottage hat eine Care-Amma, die sich um die Kinder Tag und Nacht kümmert. Amma heißt „Mama“ auf Telugu. Außerdem leben hier neben den Kindern auch noch Hühner, Hasen, Buffalos, Gänsen, Katzen, Hunde und alle möglichen Kriechtiere (zu meinem Entsetzen auch Schlangen, aber ich rede mir immer ganz fest ein, dass es keine Schlange bis zu meinem Zimmer im 2. Stock wagen würde)

Aus dem 2. Stock. Das Chiguru liegt am Ufer des Krishna-Rivers

Die Kinder, die hier leben, haben eine schwere Vergangenheit. Sie sind meistens traumatisiert hier angekommen und dementsprechend auch nicht in der Lage auf eine öffentliche Schule zu gehen. Das Chiguru hat eine projektinterne Schule auf dem Gelände mit vier Klassen und L.K.G. Die Kinder werden in die vier Klassen nicht nach ihrem Alter, sondern nach ihrem Wissensstand eingeordnet und wechseln die Klasse, wenn die Lehrer denken, dass sie dafür bereit sind. Kinder, die in der vierten Klasse gute Ergebnisse erzielen und diszipliniert sind, können dann auch auf eine öffentliche Schule wechseln. Disziplin ist ein großer Punkt im Chiguru. Aufgrund ihrer Vergangenheit wissen viele Kinder nicht, wie man sich angemessen verhält. Viele sind frech oder tun sich sozial etwas schwer. Deswegen gibt es strikte Tagesabläufe und festgelegte Regeln (wie das Laufen in einer Reihe zum Essen oder das Assembly)

Ich unterrichte L.K.G. (Lower Kindergarden), also die ganze kleinen, also genau das, was ich nachmittags für einige Stunden in der R.C.M School schon gemacht hatte. Hier ist das aber deutlich anders und ich muss auf jeden Fall noch schauen, wie sich das alles entwickelt.

Die Schule vom Chiguru
Der „Unterricht“ ist – sagen wir mal: anders

Vor der Schule stellen sich alle Kinder zum Assembly auf. Hierbei leisten sie einen Nationalschwur, singen ein Segenslied, es wird aus der Zeitung vorgelesen, bestimmte Bekanntmachungen werden gemacht und zum Schluss die Nationalhymne gesungen. Das Assembly gibt es eigentlich überall in Indien und wird in vielen Institutionen praktiziert, aber natürlich immer verschieden. Die Nationalhymne wird aber immer gesungen.

Nach einer Woche alleine im Chiguru leisten mir ab jetzt Trijntje, eine der Niederländerinnen und Justus Gesellschaft. Justus war schon die letzten Monate im Chiguru und ist nur wieder hier, weil er nun eine Arbeit in einem ganz anderen Bereich bekommen hat. Ich freue mich auf die nächsten Monate und bin super gespannt auf die Arbeit!

Die Balika ist das Haus, in dem die Mädchen ihr Zuhause finden

Und gerade weil ich mich so darauf freue, bekomme ich ein mulmiges Gefühl im Bauch, wenn ich daran denke, in circa vier Monaten schon wieder im Flieger zurück nach Deutschland zu sitzen. Vier Monate! Wo ist die Zeit hin? Zudem fliegen meine Eltern und mein lieber Bruder schon in einem Monat zu mir nach Vijayawada und ich genieße zwei Wochen Urlaub mit ihnen. Vor allem aber kann ich es kaum erwarten ihnen hier alles zu zeigen: meine Stadt Vijayawada, die flat, meine Freunde, meine Projekte, …

Gerade bereisen meine Eltern Erfurt und bald schon Indien!

In den nächsten Monaten steht mir außerdem auch noch ein dritter Urlaub zu und eigentlich arbeite ich kaum noch drei Monate. Das ist alles noch ziemlich unvorstellbar für mich, zumal ich noch sehr große Angst vorm Zurückgehen habe. Der Kulturschock in Deutschland wird groß! Allein wenn ich jetzt an weiche Matratzen, Toilettenpapier, Besteck oder Temperaturen unter 30°C denke, wird mir ganz komisch.

Für jetzt genieße ich die Zeit hier und auch das Zurückkommen wird eine aufregende und erfüllende Zeit und all die Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe und noch sammeln werde, trage ich im Herzen.

2 Gedanken zu „Umzug und Veränderungen – die Zeit rennt“

  1. Liebe Cara,
    ich habe gerade deinen neuesten Blogeintrag gelesen und fühle sooo mit dir! Die Zeit rennt einfach soo davon. Mir bleiben hier auch nur noch dreieinhalb Monate und dann geht es schon wieder zurück. Natürlich ist für mich der Kulturschock weniger groß, aber trotzdem wird mir ganz komisch bei dem Gedanken daran, dass hier bald alles vorbei sein soll.
    Ich hoffe du kannst deine Zeit in Indien trotzdem noch genießen und besonders der Urlaub mit deiner Familie wird sicherlich schön!
    Ich wünsche dir alles alles Gute auch jetzt in deinem neuen Projekt und hoffe, dass du weiterhin tolle Erfahrungen sammelst!
    Fühl dich umarmt,
    Anne

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