Was wir hier im Chiguru so machen

Seitdem ich im Chiguru bin, hat sich mein Alltag natürlich komplett verändert. Ich radle jetzt nicht mehr jeden Tag zwei Stunden in der Gegend rum oder schleppe unseren Wassertank hin und her.

Stattdessen schleppe ich heulende Kinder zur Amma, wenn sie sich verletzt haben und renne übers ganze Gelände von der Balika, zur Schule, zum Essen, zur Balika, zum Cottage, zum Spielplatz, zum Essen. Neben den üblichen festen Punkten im Tagesplan gibt es aber auch immer noch andere Kleinigkeiten, die so nebenbei passieren.

Sponsoren

Im Chiguru kommen so viele Sponsoren wie in sonst keinem Projekt. Die meisten Sponsoren bringen Essen, aber manche geben den Kindern auch Dinge wie Bücher, Stifte, Decken oder Kleidung. Das sind meistens reichere Leute, die das oftmals aus bestimmten Anlässen machen. Dazu gehören ihr eigener Geburtstag oder der Todestag eines Verwandten. Das Motiv ist immer unterschiedlich. Einige Sponsoren machen viele Fotos von den Kindern und von dem Essen, wie sie es austeilen. Manche spielen auch mit den Kindern.

Warum die meisten Sponsoren, im Vergleich zu den anderen Navajeevan-Projekten, ins Chiguru kommen, liegt daran, dass die meisten Sponsoren gerne an kleine Kinder etwas ausgeben. So erklärte es mir ein Mitarbeiter im Chiguru. In den anderen Projekten sind auch viele ältere Jungs und so auch weniger Sponsoren.

Ich habe mich anfangs sehr schwer getan mit den Sponsoren und der ganzen Situation. Aber da es so viele sind, gewöhnt man sich auch mit der Zeit dran.

Einmal kam ein Sponsor zur Snack-Time, der jedem Kind ein Happy Meal von McDonald’s mitgebracht hat. Das war ungefähr das witzigste Sponsoring, was ich bis dahin erlebt habe, denn die Kinder hatten keine Ahnung, was da vor sich geht. Die Pommes haben sie noch gegessen, wobei sie auch nicht wussten, dass der Ketchup dafür gedacht ist. Bei den Burgern musste ein Mitarbeiter erstmal erklären, wie man die isst. Den Kindern hat es aber überhaupt nicht geschmeckt. Zum einen weil sie es nicht kannten und zum anderen auch, weil es ja überhaupt nicht scharf war! Die Kinder lieben scharfes Essen und das hat ihnen einfach zu fad geschmeckt. Also ich habe mich währenddessen aber köstlich amüsiert! 😉

Müll verbrennen

Es ist natürlich absolut verwerflich. Dass Müll verbrennen eine echte Klimasünde ist und wir damit richtige Umweltvernichter, steht natürlich außer Frage. Allerdings ist das hier so und ich habe darauf definitiv keinen Einfluss, denn das ist fest im System verankert. In der Stadt gibt es immer Frauen, die einen großen Müllwagen vor sich herschieben und den Müll der Stadt einsammeln, daher sind die Straßen auch teilweise sauber. Aber das Chiguru ist mitten zwischen Bananenfeldern und dem Krishna und da gibt es herzlich wenige andere Möglichkeiten. Ähnlich sieht es in den anderen Außenprojekten aus. Das Vimukthi beispielsweise liegt nun wirklich in der Pampa und da ist das eben so. Und nicht nur in den Navajeevan-Projekten ist Müllverbrennung normal, sondern das macht jeder, der keine andere Möglichkeit hat, heißt nicht mitten in der Stadt lebt.

Also helfe ich natürlich beim Müll verbrennen. So verwerflich es auch ist, ich muss zugeben: es macht verdammt Spaß! Das ganze Kokeln, was ich in meiner Kindheit verpasst habe, hole ich hier nach. Sobald ich mich beim Müllplatz hinstelle und was anzünde, kommen auch schon sofort vier oder fünf Kinder und helfen mir fleißig. Die Jungs sind schon richtige Profis und wissen genau, wie sie es machen – da kann ich noch was lernen. Es verbindet auch total mit den Kindern im Müll und in der Asche rumzustapfen und macht wie gesagt echt überraschend viel Spaß.

Tiere fangen/beobachten

Ein weiteres Hobby, das die Kinder haben, ist es, Tiere zu fangen oder einfach nur zu beobachten. Auf dem Gelände des Chigurus leben ja viele verschiedene Tiere und die Kinder besuchen beispielsweise die Hennen, Kaninchen und Tauben regelmäßig in ihren Käfigen oder jagen sie gerne übers Gelände. Ein schwierigeres Unterfangen ist dabei natürlich das Einfangen vom Truthahn.

Durch die Nähe zum Fluss und den Plantagen, finden die Kinder aber auch immer mal ganz exotische Geschöpfe, die sie mir dann zeigen wollen. Und wenn sie eine Fischkatze im Krishna entdecken, freuen sie sich auch immer besonders.

Holi-Festival

Letzte Woche war Holi. Eigentlich wird das besonders im Norden Indiens gefeiert, aber hier kennt das natürlich auch jeder. Wir sind dann losgefahren und haben alle Holi-Farben des Supermarktes leer gekauft und die Kinder haben das irgendwie mitbekommen und waren unfassbar aufgeregt. Es gab nur noch die eine Frage: „sister, colours?“ Und dann ging es auch los… wir wollten die Farbpäckchen eigentlich schön an die aufgereihten Kinder austeilen, aber Pustekuchen. Die Kinder haben uns überfallen und die Schlacht ging los. Jeder klatscht jedem Farbe ins Gesicht und nebenbei lief Telugu-Musik und wir haben getanzt und gelacht. Nach einer Zeit startet natürlich noch die Wasserschlacht und das Tanzen wurde fast zu einem Regentanz. Damit wusch sich die Farbe dann praktischerweise auch gleich wieder runter und nachdem das ganze Fest vorbei war, sind auch wenigstens alle sauber da rausgekommen.

Es hat unglaublich Spaß gemacht und die Kinder, die Mitarbeiter und wir hatten eine tolle Zeit!

Ich genieße meine Zeit hier wirklich und freue mich immer wieder neues mit den Kindern zu entdecken. 😉

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