Volunteers‘ Meeting in Visakhapatnam

Letztes Wochenende war es wieder soweit: ein Meeting mit den anderen Freiwilligen unserer Provinz stand an. Ende Oktober 2018 hatten wir uns ja bereits in Hyderabad getroffen, um uns auszutauschen und die Navajeevan-Projekte in Hyderabad kennenzulernen. Ungefähr ein halbes Jahr später fand nun das zweite Treffen statt.

Visakhapatnam (kurz: Vizag) liegt im Norden von Andhra Pradesh und ist der dritte Standort neben Hyderabad und Vijayawada, an dem es Navajeevan-Projekte der Salesianer Don Boscos gibt. Zurzeit sind dort keine Freiwilligen, aber trotzdem ist es wichtig, dass wir auch diese Projekte kennenlernen.

So machten wir uns Freitag Mittag auf zum Bahnhof und auf unsere 5-Stunden-Fahrt hat unser Zug noch 2 Stunden Verspätung drauf gepackt. Das ist aber mittlerweile wirklich kein Problem mehr für uns. Zwei Stationen vor Vizag mussten wir aussteigen, da das Projekt etwas außerhalb der Stadt liegt. Am Bahnhof gab es dann eine unfassbare Gegebenheit: wir steigen alle aus und laufen den Bahnsteig entlang. Plötzlich sehe ich im Johnnys Armen einen kleinen Jungen. Moment mal – den kenne ich doch! Kann das wirklich sein? Wir trafen an diesem Bahnhof irgendwo im nirgendwo nach 3 Monaten Kiran wieder. Kiran war einige Zeit im Shelter, wo ich viel mit ihm gespielt und gebastelt habe. Anschließend hat er im Deepa Nivas bei Lilli und Johnny gewohnt und ist von dort aus zur Schule gegangen. Seit Februar war er nicht mehr im Projekt, was uns sehr traurig gemacht hat, weil Kiran immer eine besonders gute Seele war! Lilli, Johnny und ich, die Kiran durch unsere Projekte gut kannten, konnten es nicht fassen! Wieso ist Kiran um diese Uhrzeit alleine irgendwo im nirgendwo so weit weg von Vijayawada? Und wie um alles in der Welt stehen gerade die Sterne, dass wir Kiran genau dort treffen?

Die Abfahrt ins Projekt musste dann auch erstmal warten, denn Johnny, Lilli und ich hatten einige Fragen. Die ganze Situation hat uns extrem mitgenommen. Immer und immer wieder haben wir gefragt, ob es ihm auch wirklich gut geht! Er zeigte uns ein Zugticket zurück nach Vijayawada und meinte, er habe hier nur seinen Bruder besucht. Wir konnten in diesem Moment natürlich auch nicht viel tun außer ihm immer wieder versichern, dass er im Deepa Nivas herzlich willkommen ist, ihn in die Arme schließen und beten, dass es ihm gut gehen wird.

Schweren Herzens sind wir dann irgendwann (nachdem die Hyderabad-Freiwilligen auch schon angekommen waren) ins Projekt gefahren und haben Kiran ein letztes Mal gewunken. Nach einem späten Abendessen sind wir den Kopf voller Gedanken erschöpft ins Bett gefallen.

Der Samstag war voll mit Gesprächen. Der Provinzial der Salesianer Don Boscos, der für die Region Andhra Pradesh und Telangana zuständig ist, reiste an und auch sein Vize war schon da. Die beiden sind wichtige Leute, die viel Verantwortung tragen und ständig unterwegs sind und trotzdem nehmen sie sich für uns immer Zeit und haben ein offenes Ohr. Dabei haben sie eine ruhige, kooperative und verständnisvolle Art und reden mit uns auf Augenhöhe. Das beeindruckt mich jedes Mal wieder stark! Sie haben uns nach unserer Situation im Projekt gefragt, haben mit uns über gute Umgangsformen mit den Kindern geredet und uns jeder eine Art Vortrag gehalten. Dabei sagte der Provinzial beispielsweise, dass er den Ausdruck „Straßenkinder“ für unsere Kids eigentlich eher ablehnt. Sobald sie bei Navajeevan sind, sind sie keine Straßenkinder mehr, sondern haben eine neue Perspektive und neue Zukunftschancen und vor allem: ein Zuhause.

Außerdem nahm er sich die Zeit unsere Fragen zu beantworten. Und davon hatten wir einige. Dinge im Projekt, die wir nicht einordnen können; Gerüchte, bei denen wir gerne die Wahrheit wüssten und Strukturwandel, die auch uns betreffen werden; all das hat uns die letzten Wochen und Monate sehr beschäftigt und es war gut nun Antworten darauf zu bekommen.

Nach dem ernsten und gesprächslastigen Teil ging es dann Samstagnachmittag spaßig weiter. Die Jungs im Projekt haben uns zu einem Volleyballspiel herausgefordert (was wir haushoch verloren haben) und anschließend wurde noch Kabbadi gespielt.

Kabbadi ist mein absolutes Lieblingsspiel. Das Spiel ist so simpel, weil man nichts dafür braucht außer ein Feld staubigen Bodens und sein Team. Es wird viel in den Dörfern Indiens gespielt und ist durch und durch indisches Kulturgut. Mittlerweile ist es von den Hinterhöfen schon auf die professionelle Ebene gewandert und wird teilweise auch außerhalb Indiens gespielt. Es macht so viel Spaß und verbindet einen mit den Kindern durch den ganzen Teamgeist in der Luft! Und weil sie einfach coole Fathers sind, haben der Provinzial und der Vize-Provinzial es sich auch nicht nehmen lassen mit uns und den Kindern mitzuspielen.

Am Abend wurde dann ein riesiges Lagerfeuer organisiert und wir hatten sogar die Möglichkeit Knüppelkuchen zu machen! (Knüppelkuchen = Stockbrot für alle, die den Begriff nicht kennen. Wie ich bemerken musste, stand ich ganz alleine mit „Knüppelkuchen“ da 😦 ) Wir haben Hähnchenspieße gegrillt und uns Burger belegt. Ein echtes Festmahl!

Lagerfeuer Indian Style: riesige trockene Palmenzweige werden aufgestellt und einfach angezündet

Am Sonntag war dann Ausflugstag! Den ganzen Tag sind wir in Vizag herumgefahren, haben die Projekte von Navajeevan besucht, waren am Strand, am Hafen mit Fischmarkt und auf einem Aussichtspunkt.

Außerdem haben wir ein U-Boot Museum und ein Flugzeugmuseum besucht. Als ich durch beide Museen mit Johnny und Tobi an meiner Seite gelaufen bin und ihnen so meine tausend Fragen zu dem ganzen Zeug stellen konnte, hat mich das an meinen Bruder erinnert.

Tobi (sehr ambitioniert sich meinen Fragen zu stellen) und im Hintergrund das U-Boot

Josef muss mir in jedem technischen Museum, in dem wir sind, immer jede kleine und noch so dämliche Frage beantworten. Und auch wenn Johnny und Tobi das super gemacht haben, freu ich mich auf den nächsten Museumsbesuch mit meinem Bruder, bei dem er mir und meinen ganzen Fragen nicht entkommen kann. Am Ende erklärt er es mir nämlich immer noch am besten 🙂

Vor einem Jahr noch hat mir Josef jede technische Kleinigkeit erklärt und bald kann er das auch in Indien machen

Ich finde diese Meetings sehr wichtig! Sie haben einen großen Wert um zu erkennen, was außerhalb unserer eigenen Projekte noch so alles im Namen von Don Bosco und Navajeevan passiert und vor allem wie es passiert. Dass wir in Austausch mit den oberen Instanzen kommen, finde ich sehr ehrenwert und ich bin dankbar, dass auf unsere Meinung Wert gelegt wird. Zudem war es sehr spannend die neuen Freiwilligen aus Hyderabad, die im Februar gekommen sind, kennenzulernen und auch unsere neue Truppe vorzustellen.

Da wir uns ja schon beim letzten Treffen so gut mit den Hyderabad Freiwilligen verstanden haben, war es auch eine einfach Frage, die entschied, dass wir an unser offizielles Meeting noch einen gemeinsamen Wochenendtrip dranhängen.

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