Summer Camp im Chiguru

Im Mai ist Sommer.

Das wurde mir eigentlich schon das ganze über Jahr erzählt. Das und dass es dann heiß ist. Also wirklich heiß. Ich soll dann am besten nicht rausgehen. Ein bisschen skeptisch war ich schon, vor allem wegen der Aussage, dass genau im Mai – und nur im Mai – Sommer ist und es genau in diesem Monat am heißesten ist.

Aber wie so oft, hatten die Inder wieder recht. Ich kam am 2. Mai aus dem Urlaub mit meiner Familie wieder und es war unfassbar heiß. Schon davor wurden die Schulzeiten immer kürzer und die Mittagspause länger, aber ab Mai musste die Schule ganz aus sein und es gab Sommerferien.

Die Kinder im Chiguru sind „nach Hause“ gefahren. Das meint bei den meisten Kindern zu Onkel, Tante, Geschwister, Großeltern oder doch sogar noch zu Eltern, die sie irgendwo haben. Dort aber länger als nur in den Ferien zu bleiben, wäre für die Kinder eine Gefährdung, deswegen sind sie ja im Chiguru. Meistens müssen sie zu Hause für ihre Familie arbeiten, erleben Gewalt in der Familie oder andere Dinge, die schlussendlich dazu führen, dass es für die Kinder im Chiguru wohl besser ist. Das wird alles genau von CWC (Child Welfare Committee) geprüft und dann wird entschieden, ob man den Kindern diesen einen Monat zu Hause zumuten kann.

Die anderen Kinder, komplett ohne Familie oder mit einer zu zerrütteten und gefährdenden Familiensituation, bleiben im Chiguru bei uns für das Summer Camp! Zum Summer Camp im Chiguru kommen alle Kinder aus den anderen großen Projekten von Navajeevan, die nicht nach Hause gehen. Also hatten wir auch Kinder aus dem Deepa Nivas und den Moggas hier und wie soll es anders sein: die Freiwilligen kommen natürlich mit! So waren wir für das Summer Camp insgesamt sechs Freiwillige im Chiguru.

Dort ist dann jeden Tag Programm für die Kids angesetzt. Es gibt Computerstunden, Kreativ-Wettbewerbe und „Life Skill Education“ (eine Art Lebenstraining, wo sie lernen, wie man sich anständig benimmt und wie sie ordentlich und strukturiert lernen) Oftmals kommen auch Leute von außerhalb und machen extra Programm mit den Kindern. Zum Beispiel kam Father Alex mehrmals oder Studenten vom College, die dann einen Tanz mit ihnen einübten. Einmal sind wir auch alle zusammen auf eine Insel gefahren und haben dort den Tag verbracht.

Häufiger als gewöhnlich durften wir auch alle zusammen Tollywood -Filme anschauen (Bollywood auf Telugu)

Die Aufgabe von uns Freiwilligen lag darin, die Kleinsten zu bespaßen, denn die haben es nicht ausgehalten stundenlang zuzuhören, wie sie sich in der Schule verhalten sollen, zumal sie meist noch nicht mal in die Schule gehen. Auch sonst waren sie für die meisten Programmpunkte einfach noch zu klein.

Also sollten wir mit ihnen basteln. Ich will nicht lügen, jeden Tag über Wochen hinweg vier Stunden bei der Hitze zu basteln, hat irgendwann weder den Kindern noch uns Spaß gemacht. Wir haben versucht immer wieder mit neuen Ideen zu kommen und haben einiges ausprobiert. Manchmal mit sehr viel, manchmal mit weniger Erfolg.

Mir war es vor allem wichtig, dass bei den Kids auch ein bisschen Feriengefühl aufkommen kann und von der sonst so harschen Disziplin ein wenig abgesehen werden kann. Denn wenn ich an meine Ferien zurückdenke, hatte ich viel Freiraum für meine Sachen und ich habe versucht, das den Kindern hier auch zu ermöglichen.

Jeden Tag war trotzdem für alle der wichtigste Programmpunkt der Mittagsschlaf. Denn es war heiß. Es war einfach heiß. 50 Grad waren es bei uns. Vijayawada liegt in einer der heißesten Regionen Indiens. Oftmals waren nicht richtig 50 Grad, aber der Hitzeindex lag oft bei über 50 Grad. Das Problem ist zum einen die sehr hohe Luftfeuchtigkeit in unserer Region, die einem immer das Gefühl gibt, in einem Dampfbad zu leben. Zum anderen konnte es auch nie richtig abkühlen. Der Boden war ständig aufgeheizt, denn auch nachts wurden es gerade mal nur 40 Grad.

Mir wurde auch erzählt, dass es dieses Jahr besonders heiß ist im Vergleich zu all den letzten Jahren. Na, da hatte ich ja richtig Glück!

Die Hitze macht sehr müde, aber vor allem auch krank. Viele von uns hatten Hitzeausschlag und Hitzepusteln. Aber im Endeffekt nichts, was man nicht doch überwinden kann. Man muss einfach auf die Inder hören: nicht rausgehen und nicht viel bewegen. Dann schwitzt man wenigstens nur im Sitzen.

Allerdings ein wirklich guter Punkt: mit der Hitze kam auch die Mango-Saison und damit ein köstlicher Snack für zwischendurch!

Pünktlich zum 30. Mai hat es dann aber auch aus Eimern gegossen. Die Temperatur ist allerdings danach wieder hoch gegangen und jetzt warten wir nur gespannt auf den Monsun und hoffen vor allem, dass die Hitze uns nicht mehr lange während der Schulzeit begleiten wird.

Trotzdem war es total spannend mal mit so wenigen Kindern zusammenzuleben, auch die Kids aus den anderen Projekten kennenzulernen und mal mit den Freiwilligen zusammenzuarbeiten, die ich normalerweise nur am Wochenende sehe. Und die Hitze hat mich nur um eine Erkenntnis reicher gemacht: auch 50 Grad kann man überleben!

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