Letzter Erkundungsurlaub in Indien II

Weiter ging meine letzte Entdeckungstour durch Indien mit einem heiligen Ort.

3. Stopp: Varanasi

In Varanasi ist der heilige Fluss der Hindus: der Ganges. Für die Hindus ist es eine Art ultimative Erlösung, wenn sie tot sind, am Ganges verbrannt zu werden und ihre Asche im Ganges zu verstreuen. Viele Hindus pilgern deswegen kurz vor ihrem Tod nach Varanasi, um dann im Ganges ihre letzte Ruhe zu finden. Aber auch so kommen viele Hindus nach Varanasi, um sich im Ganges rein zu waschen und vom heiligen Wasser zu trinken. Ein Inder erzählte uns, dass er jeden Tag mind. 1 Glas Ganges-Wasser trinkt. Am Anfang ging es ihm deswegen schlecht, aber mittlerweile hat sich sein Bauch dran gewöhnt und er kann das heilige Wasser täglich trinken. Uns würde er es allerdings nicht empfehlen.

Am Ganges entlang sind ganz viele Zugänge zum Fluss. Da durch Regen- und Trockenzeit der Wasserpegel stark schwankt, geschieht dies mittels Stufen. Ein solcher Zugang wird als Ghat bezeichnet. Einige Ghats sind besonders, wie beispielsweise zwei Ghats, die jeweils ein Krematorium haben. Aber es gibt auch bestimmte Ghats für die vielen Fest und Zeremonien, die am Ganges stattfinden.

Ein Ghat vom Fluss aus. Bemalt mit der Swastika – dem Zeichen für Glück

Wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen und haben eine romantische Bootsfahrt auf einem Fischerboot zum Sonnenuntergang an den Ghats entlang gemacht – mit einem unfassbar witzigen Ruderer.

Außerdem haben wir viele besondere Tempel in Varansi besucht. Einer war in der größten Universität Asiens, der Banaras Hindu Universität.

Ein weiterer hatte eine riesige Relief-Karte Indiens im Inneren. Die Karte zeigt Indien vor der Unabhängigkeit und Teilung 1947, als es noch ein sehr viel größeres Gebiet umfasste. Dieser Tempel wurde von Mahatma Ghandi persönlich eingeweiht.

Wir hatten zudem die Möglichkeit im Viertel der Seidenproduktion spannende Einblicke in die Herstellung von Seide zu gewinnen.

4. Stopp: Khajuraho

Khajuraho ist berühmt für seine sehr alten Tempel. Deswegen ist die Stadt auch UNESCO Weltkulturerbe. Indien ist mit 37 Weltkulturerben weltweit an Platz 6 der Länder mit den meisten Weltkulturerben. Vor allem im Urlaub mit meinen Eltern habe ich auch schon ein Vielzahl besuchen dürfen.

Außerdem ist ca. 15km außerhalb von Khajuraho ein Nationalpark und wir gingen auf Safari! Meine dritte in Indien und doch wieder so anders.

Wir sahen zwar keine Tiger so wie in Ranthambore, aber dafür haben wir auf einer Bootstour über den Fluss des Parks Krokodile beobachten können.

Und viele andere Tiere durften wir in ihrem natürlich Lebensraum beobachten.

Die Safari war noch ein bisschen außergewöhnlich, da es unfassbar geregnet hat. Es goss aus Eimern. Aber im Gegensatz zu Deutschland bleiben die Inder deswegen nicht im Haus. Wir genossen den Regen und spazierten fröhlich draußen herum, denn man hat lange darauf gewartet. Regen nach so langer Hitze und Dürre ist eine große Erlösung für die Menschen.

Was mir von der Reise im Gedächtnis bleibt

Sicherlich all die wunderschönen Orte und die Vielfalt des Landes. Aber was ich vor allem mitnehme, ist die Freundlichkeit der Menschen. Ich glaube, ich erzähle es immer und immer wieder. Aber ich kann nicht müde werden davon zu erzählen. Denn immer und immer wieder wird mir mit so viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft begegnet, dass ich nur immer wieder aufs neue dankbar sein kann und mich fragen muss: womit habe ich das verdient?

Ich denke an den Hotelbesitzer in Varanasi, der uns eine komplette Stadtrundfahrt + Bootsfahrt zu einem wundervollen Preis organisierte. Inklusive einer eigenen Rikscha, mit einem Fahrer, der uns überall hinbrachte und auf uns wartet bis wir mit der Besichtigung fertig waren.

Ich denke dabei an die Gruppe Männer im Zug. Ich war allein an meinem Platz, da die Plätze von uns dreien verstreut durch den Zug lagen. Mein Abteil war leer bis auf 4 Männer, die direkt neben mir saßen. Ja, zunächst war ich skeptisch, alleine als Frau mit fremden Männern… und wie so oft wurde ich eines besseren belehrt. Die Männer passten die ganze Fahrt bestmöglich auf mich auf. Sie übersetzten für mich, was die Essensverkäufer sagten, sie meckerten andere Fahrgäste an, die unfreundlich zu mir waren, sie halfen mir mit meinem Gepäck und sagten mir rechtzeitig bei meinem Ausstieg um 5:30 in der Früh Bescheid.

Ich denke an die drei Jungs in Khajuraho, die uns überall herumführten, mit uns Essen gingen und uns sogar am Abend auf eine Hochzeit mitnahmen. Wir konnten es gar nicht glauben und waren sehr skeptisch, ob sie nicht doch am Ende Geld wollen. Wieder wurden wir eines besseren belehrt.

Am Abend auf der Hochzeit

Ich denke an das ganze Personal der indischen Bahn am Bahnhof von Khajuraho nachdem wir große Probleme mit unserem Zug hatten. Sie kümmerten sich stundenlang darum einen neuen Zug für uns zu finden und tricksten sogar für uns, dass wir einen Sitzplatz zahlen, aber ein Bett bekommen. Der ganze Bahnhof kannte uns danach 😉

Ich denke an die selbstlose Frau mit ihrer herzigen Tochter, die im Zug für uns Essen bestellte und den ganzen Abend schaute, dass wir auch ja nicht hungrig ins Bett gehen.

Wie wir reisen

Mit dem Zug natürlich! Das komfortabelste, was wir tun können.

Wie schon mit Debora fuhren wir immer in der Sleeper-Class. Ein Waggon mit vielen Nischen, in denen sich jeweils auf der einen Seite sechs Betten und auf der anderen Seite zwei Betten befinden.

Leider waren unsere Züge oft so voll und damit überbucht. Unsere erste Zugfahrt über 22h mussten wir zu dritt bzw. zu viert in einem Bett verbringen. Aber die Inder teilen. Auch wenn ihnen eigentlich das ganze Bett zusteht, ziehen sie ihre Beine an und schwups kann ich mich am Fußende einrollen und schlafen.

Die Reise hält auf jeden Fall immer eine Überraschung bereit!

Ich bin so froh mit diesem Urlaub nochmal ein ganzes Stück und vor allem so viele andere Orte von Indien kennenzulernen. Mit Lilli und Teresa hatte ich eine gute Zeit und freue mich wieder heim nach Vijayawada zu kommen. Es ist immer das Schönste am vertrauten Bahnhof in Vijayawada auszusteigen und die letzten Meter der Reise durch so bekannte Straßen nach Hause zu laufen.

Meine letzten vier Wochen beginnen und ich werde meine Zeit im Chiguru allein mit den Kindern möglichst intensiv nutzen. Und mich vor allem darauf einstellen, dass alles bald ganz anders sein wird…

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