Endlich Essen!

Ich weiß, dass das ein Thema ist, das schon längst überfällig ist! Bisher habe ich es immer ein bisschen vor mir hergeschoben, weil ich einfach nicht weiß, wo ich anfangen kann. Die Vielfalt, was das Essen in Indien angeht ist immens! In jedem Bundesstaat gibt es sozusagen anderes und verschiedenes Essen. Und auch wenn wir nur in meinem Bundesstaat Andhra Pradesh bleiben, ist die Auswahl immer noch riesig! Ich gebe trotzdem mein bestes, die Vielfalt ansatzweise herüberzubringen.

Grundsätzlich kann ich aber sagen für mein Essen hier: unser Verbrauch von Reis und Zwiebeln geht durch die Decke! Reis wird wenn’s gut läuft morgens, mittags, abends gegessen, aber auf jeden Fall zweimal am Tag. Und Zwiebeln sind in absolut jedem Gericht enthalten. Mal viele und mal richtig viele. 😉

In meinem ersten halben Jahr habe ich ja in Vijayawada gewohnt, in der flat direkt und bin zum Essen immer 2 min Fußweg zum Haupthaus von meiner Organisation Navajeevan Bala Bhavan gelaufen. Dort haben wir Freiwilligen dann mit den Fathers zusammen essen dürfen.

Seit ich im Chiguru wohne, esse ich natürlich immer mit den Kids zusammen. Je nachdem, essen wir dann entweder in der großen Essenshalle alle gemeinsam oder in den Häusern der Kinder, was für mich bedeutet mit den Mädchen zusammen vor ihrem großen Haus Balika.

Frühstück

Zum Frühstück gibt es verschiedene Sachen! Sehr beliebt sind Dosa und Idli. Dosa sind eine Art herzhafter Eierkuchen, allerdings viel dünner und mit sehr sehr fein geriebenen Reis und Linsen und Wasser zubereitet – sonst nichts. Man kann sie dann wahlweise füllen mit einem Spiegelei, Kräutern oder einfach nur Chilli. Idli schauen aus, wie kleine, runde Küchlein und bestehen ebenfalls aus fein geriebenen Linsen. Beides wird mit Coconut Chutney gegessen, in dem eigentlich meistens zumindest keine Kokosnüsse drin sind, sondern Chillis. Dieses Chutney ist sehr berühmt für Andhra Pradesh und schmeckt hier – meiner Meinung nach – auch am besten!

Idli
Dosa (gefüllt mit Kräutern)
Coconut-Chutney

Da dieses Frühstück zeitaufwändig wäre, wenn man es für Massen herstellt, gibt es diese Sachen eher nur in Familien und für die Fathers. Für die Kinder in den Projekten gibt es zum Frühstück dann Sachen, die einfach für viele zubereitet werden können.

Dazu gehört allem voran Upma. Upma gibt es ebenfalls in verschiedenen Arten und ist mehr wie ein Brei, den man auch mit Chutney isst. Der Brei wird aus feinem Reispulver oder bestimmten Getreidearten gemacht und ihm werden Chillis, Curtyblätter usw. untergemischt. Chutney gibt es zu sehr vielen Sachen dazu und beschreibt einfach nur eine sehr konzentrierte Paste, die man gut mit allem vermischen kann und von der man nicht viel braucht, wodurch sie sich gut für die Projekte eignet. Es gibt ebenfalls verschiedene Chutneys wie Tomate, Chili rot/grün oder Kokosnuss.

Öfter mal gibt es auch einfach nur den Klassiker Reis zum Frühstück. Dann aber oftmals schon mit ein paar Tomaten und Chilli (Tomato Rice) untergemischt oder Reis der mit Zitronen und Nüssen zubereitet wurde (Yellow Rice/Lemon Rice) Beides einfach serviert mit Chutney.

Hier hatten die Frauen, die ich in den ersten 6 Monaten unterrichtet hatte, mir als Aufmerksamkeit Lemon Rice mitgebracht – nicht dass ich bei der Arbeit verhungere 😉

Mittagessen/Abendbrot

Zum Mittag und zum Abendessen gibt es im Endeffekt gleiche Sachen – wie immer natürlich Reis!

Zum Reis isst man in der Regel Dal bzw. Bappu (Linsen) bzw. Sambar. Das Dal ist mit ein wenig Gemüse gemischt, schön dickflüssig und gut mit dem Reis mischbar. Sambar ist im Endeffekt eine Art Suppe. Gemüsebrühe mit verschiedenen Gemüse wie Möhren, Tomaten und Kürbis und ebenfalls Linsen.

Dann gibt es natürlich noch ein Curry. Riesige Vielfalt! Curry aus Gemüse ist am gängigsten. So habe ich schon Lady Fingers kennengelernt oder Drum Sticks. Aber auch rote Beete oder Hühnchen gibt es von Zeit zu Zeit. (Hühnchen ist dann aber was ganz besonderes und gibt es eigentlich nur zu besonderen Anlässen!)

Das sind sogenannte Drum Sticks, sie haben einen ganz eigenen Geschmack. Man macht sie auf und zieht mit den Zähnen das schleimige Innere heraus

Und manchmal gibt es auch noch ein Extra. Also zum Beispiel frittierte Dinge, die Chips am ähnlichsten kommen. Da spricht man von Gold Fingers (schauen aus wie Penne nur eben als Chips) oder Pappadam (eine Art großer runder Chip) oder einfach kleine Chips, wie man sie auch aus der Knapperpackung von daheim kennt.

Eine weitere Eigenart, die zum Essen hier einfach dazugehört ist Curd. Curd ist sozusagen Joghurt und wird vor allem einfach nach der Hauptmahlzeit, also wenn man seine erste Portion Reis mit Curry gegessen hat, noch zusätzlich gegessen. Es werden Reis, Curd und Salz vermischt und es wird gesagt, dass das super für die Verdauung ist und die Schärfe im Mund lässt auch nach. Die Kinder lieben es und Justus freut sich auch immer tierisch, wenn es Curd-Rice gibt!

Curd mit extra Gemüse wie Zwiebeln, Tomaten und Kräutern ist sozusagen ein spezielles Curd und wird Raita genannt. Man isst es übrigens zu Biryani. Biryani ist ein ganz spezieller Gewürzreis, den jeder liebt! Auch davon gibt es natürlich so viele verschiedene Ausführungen! Aber Hauptsache er wurde mit bestimmten Gewürzen wie Nelken und Masala (Gewürzmischung) gekocht.

Hier sieht man einen unserer Kleinen beim Essen holen. Auf seinem Teller befindet sich bereits der Biryani-Reis. Außerdem noch ein dreieckiges Extra: Blätterteig gefüllt mit Mais, Zwiebeln und Chilli. Und ich bin gerade dabei ihm auch noch weißen Reis auf den Teller zu schaufeln.

Die Bedeutung vom Essen

Ich möchte unbedingt festhalten, wie wichtig das Essen hier ist! Wie ich schon mal erwähnt hatte, wird man immer gefragt, ob man schon gegessen hat. Außerdem sprechen die Inder auch gerne übers Essen. Was sie letztens gegessen haben, was es zur nächsten Mahlzeit gibt, was ihr Lieblingsessen ist und wo es am besten schmeckt.

Essen verbindet und Essen einigt.

Ich habe mich schon mit vielen Leuten hier übers Essen unterhalten und im Vergleich zum Essen in anderen Bundesstaaten finden sie das hier in Andhra Pradesh am besten. So sagten mir schon viele, dass „Andhra Food“ überall in Indien sehr bekannt ist. In meinem Urlaub traf ich auch eine Frau, die ursprünglich aus Andhra Pradesh kam und nun weiter im Norden wohnt und ihr fehlt das Essen sehr!

Überall in Indien ist auch sehr bekannt, dass es in Andhra Pradesh mit am schärfsten ist. Im Urlaub waren die ersten Reaktionen, wenn ich erzählte, dass ich in Andhra Pradesh wohne, immer nur: oh, das Essen da ist sooooo scharf und das Wetter soooooo heiß!

Hier habe ich mir mal einen kleinen Spaß mit dem Spinat und dem Kraut-Curry erlaubt und beim Essen an Indien gedacht 😉

Ich und das Essen

Wie meine Mitmenschen in Andhra Pradesh liebe ich das Essen hier auch! Zum Zwischenseminar oder im Urlaub wenn es Essen aus anderen Bundesstaaten gab, war ich immer leicht enttäuscht und habe mich schon auf das Andhra Food daheim gefreut.

Dabei macht mir die Schärfe auch nichts aus, daran hatte ich mich innerhalb des ersten Monats schnell gewöhnt. Meine Mutter meinte zwar als sie zu Besuch war, schockiert, dass ich keine Geschmacksnerven mehr besitze, aber ich genieße das Essen sehr! Ohne die Schärfe schmeckt es schon sehr fad.

Noch ein weiterer Punkt, den ich sehr genieße beim Essen: kein Besteck! Anfangs war es zwar mehr wie ein wahr gewordener Kindertraum, aber mittlerweile sehe ich auch wie praktisch es ist! Man kann überall ohne großen Aufwand essen, man braucht lediglich einen Teller, den man davor und danach kurz abspült. So funktionieren die Mahlzeiten im Chiguru (und auch überall sonst) ganz einfach ohne großen Mehraufwand.

Die liebe Lilli zeigt hier gerade die Technik mit den Händen zu essen, die uns die Kinder immer beibringen wollten

Es gibt wirklich noch so so so viel mehr Essen, von dem ich erzählen könnte! Vor allem wenn es zu den süßen Sachen kommt oder den Snacks… denn wenn die Inder süß essen, dann ist das auch wirklich süß!! So unfassbar süß, dass ich immer glauben musste, nach dem Jahr wahrscheinlich Diabetes zu haben. Aber Anpassung ist alles und so habe auch ich schon meine Lieblingssüßigkeiten entdeckt. Und auch die Snack-Time ist natürlich wichtig! Kleine Packung Chips oder Kekse werden in Massen konsumiert. Von all den Früchten ganz zu schweigen…

Eine Auswahl an super-süßen Dingen
Obst und Gemüse zu kaufen!

Wir lieben auch Street Food! Also Essen, das man an der Straße kaufen kann. Das ist meistens frittiert oder es gibt auch die Klassiker wie Dosa oder Nudeln!

Ein Klassiker für Andhra Pradesh: Punugulus
Mein Lieblingsfrühstück: Baji mit Coconut-Chutney

Aber was auch noch bei jedem erwachsenen Inder wohlgemerkt einen großen Stellenwert hat, ist der Chai! Chai ist ein süßer Tee, der aus schwarzem Tee, Milch und Zucker zubereitet wird und einfach himmlisch schmeckt! Vor allem wenn man ihn in Andhra Pradesh trinkt, denn hier wird er auch oft noch mit Ingwer, Nelken und Kardamon zubereitet. Ein wahrer Traum und die Teezeit am Tag hebt immer meine Laune und bringt alle zusammen 🙂

Und auch mein Magen und ich haben uns gut an die festen Essenszeiten gewöhnt: Frühstück um 8:00, Snack/Tea um 11:00, Mittagessen um 13:00, Snack/Tea um 16:00 und Abendessen um 20:00. Also die nächste Mahlzeit ist nie fern!

Das Essen ist einfach gut!

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