Meine letzten Wochen mit den Kids

Nun war es soweit… nach dem Urlaub konnte ich die mir verbleibenden Wochen in Indien an der Hand abzählen. Und jeder Tag mit den Kids erschien mir kostbarer als der davor. Trotzdem wollte ich daraus jetzt nichts großartig besonderes machen und mich selbst unter Druck setzen, noch möglichst viele schöne neue innovative Spiele, Bastelideen, Tänze, Aktionen usw. zu machen. Denn meine Arbeit sollte immer und zu jeder Zeit zeigen, dass ich mein Bestes leiste und ich möchte nun nicht auf die letzten Tage nochmal Sachen auspacken, die nicht typisch meine Arbeit sind. Die letzten Tage sind nicht mehr wert als all die Tage davor, nur weil sie zu den letzten gehören. Außerdem erschien es mir für die Kids auch einfacher, wenn alles normal läuft.

Die ein oder andere Besonderheit gab es aber trotzdem.

Zunächst wurden wir gebeten im Chiguru ein bisschen zu malern. Farbe wurde gekauft und alle Freiwilligen an einem schönen Sonntag ins Chiguru geschifft. Was sollen wir anmalen? Palmen natürlich. In Indien sieht man es öfter, dass der ein oder andere Baum einen netten Anstrich bekommen hat. Die Chefin vom Chiguru hat uns gebeten dieses Projekt anzugehen, damit können wir uns auch direkt verewigen, sodass sich immer alle an uns erinnern. Und den Kids solle es eine angenehmere Umgebung bereiten. Also ran an die Pinsel.

Dass so eine Palme rund und hoch ist, hat uns zwar die ein oder andere Schwierigkeit bereitet, aber wir hatten nochmal ein tolles gemeinsames Projekt zum Ende unseres Jahres! Ich finde es richtig super, dass jeder Baum so verschieden ist, weil doch auch jeder von uns ein ganz eigener Mensch ist. Und die Kinder haben sich so gefreut und das ist alles was zählt! Was will man mehr?

Sophia, unsere kleine Baumkünstlerin hat das Chiguru mit diesem Werk verschönert
Die Welt arbeitet zusammen ❤️

Die Kids haben sich all die Tage danach nicht nur immer und immer wieder für die Bäume bedankt, sondern haben auch in letzter Zeit wieder viel nach meinen Eltern gefragt. Nachdem Mama und Papa mich ja im April besucht hatten, haben die Kinder sie sofort ins Herz geschlossen! Mama und Papa waren zwar nur eine Nacht im Chiguru, aber trotzdem sind sie für manche Kinder als beeindruckende Personen im Gedächtnis geblieben. Vor allem zwei kleine Mädels haben mir seitdem immer erzählt, dass sie die Babys von meiner Mama sind.

So habe ich die Kinder nochmal über einen Videoanruf mit meinen Eltern sprechen lassen. Für die Kinder und auch die Tagesmütter war das ein Erlebnis, das sie sehr glücklich gemacht hat. Was will man mehr?

Außerdem konnte ich endlich ein Versprechen einlösen und mit den Jungs aus dem RVTC ins Kino gehen. Die Jungs hatte ich ja in meinen ersten sechs Monaten hier unterrichtet und nun zum Ende hin hatte es endlich geklappt!

Im Kino haben wir einen Film geschaut, der für meinen Geschmack ziemlich gruselig war. Es ging um eine Bande, die Familien im Süden Indiens versprochen hat, ihre verstorbenen Angehörigen nach Varansi, die heilige Stadt für Hindus, zu bringen, um dort ihre letzte Ruhe im Ganges zu finden. Stattdessen hat die Bande, die Leichen aber nur hinter der Bundesstaatsgrenze am Straßenrand verbrannt oder aus dem Zug geworfen. Vorher nahmen sie noch die Fingerabdrücke der Leichen, um damit andere Verbrechen zu vertuschen. Anscheinend beruht die Geschichte auf wahren Begebenheiten. Aber in diesem Film hat der Hero natürlich alles aufgedeckt und alle gerettet. Ich bleibe dann aber doch lieber bei den kitschigen Telugu-Romanzen. Der verantwortliche der Jungs hatte den Film ausgesucht und ihnen hat es gefallen. Was will man mehr?

An meinem letzten Tag im Chiguru wurde mir die Ehre zuteil beim Morgen-Assembly einen Part zu übernehmen.

Das Assembly ist ein fester Bestandteil im indischen Alltag und lässt alle Mitarbeiter an einem Arbeitsplatz oder alle Schüler in der Schule versammeln.

Im Chiguru werden der Reihe nach bestimmte Punkte aufgesagt. Es beginnt mit einem Gebet, gefolgt vom Nationalsong (eine Ode an Indien als Mutterland) namens Vande Mataram, dann das pledge. Nach dem pledge gibt es bestimmte Vermeldungen, also organisatorische Änderungen oder Neuerungen oder es wird aus der Zeitung vorgelesen. Zum Schluss wird die Nationalhymne Indiens „Jana Gana Mana“ gesungen.

The Pledge

India is my country. All Indians are my brothers and sisters.

I love my country and I am proud of its rich and varied heritage.

I shall always strive to be worthy of it.

I shall give my parents, teachers and all elders respect and treat everyone with courtesy.

To my country and my people, I pledge my devotion.

In their well being and prosperity alone, lies my happiness.

Normalerweise stehe ich in einer der Reihen der Kinder und mache einfach mit. An meinem letzten Tag durfte ich aber mit vor. In der Regel stehen vor den versammelten Kindern drei Kids: ein Kind spricht das Gebet vor und die anderen sagen es nach. Ein anderes Kind macht das selbe beim pledge und das dritte Kind fordert zwischen den Teilen des Assemblys immer die Kinder auf gerade zu stehen und sich wieder zu rühren. (Attention! – Stand at ease!) und es kündigt den nächsten Punkt des Assemblys an.

Diesen Part durfte ich nun machen und es war mir eine große Ehre! Und es hat mich noch mehr als Teil vom Chiguru und von Indien fühlen lassen. Bei dieser Versammlung, die ja nun wirklich die Nation Indien als Mittelpunkt hat, auch mit anleiten zu dürfen, war toll! Indien ist wirklich mein zweites Zuhause geworden.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s