Abschied von Indien

Bereits als ich mich entschieden hatte, ein Jahr in Indien zu leben, war mir natürlich bewusst, dass es auch heißt, mich nach einem Jahr wieder von diesem Land zu verabschieden. Vom Land, von den Leuten, von den Gepflogenheiten, meinem Alltag und Umfeld und von der ganz anderen Stimmung und Mentalität, die dort herrscht.

Ich hätte mir eigentlich auch keinen schöneren Abschied vorstellen können.

Eine Woche vor unserem Abflug hatten wir eine Verabschiedung im Chiguru mit den Kindern und Mitarbeitern. Sophia, Lilli, Tobi, Johnny, Justus und ich wurden verabschiedet. Auch wenn Sophia und Lilli erst einen Monat nach uns fliegen werden, haben wir sechs doch die meiste Zeit gemeinsam verbracht, haben miteinander gelernt, waren uns gegenseitig Stütze und haben uns geprägt. Ein Jahr lang engste Familie.

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Die Kinder haben Tänze vorbereitet, bei denen ich natürlich mittanzen durfte und die Kinder richtig froh waren, dass auch Cara sister mit dabei ist. Wir hatten sogar die Ehre, dass die höchsten Salesianer der Region unserer Feier beiwohnten.

bad88e6f-ff4e-4da5-b8e2-0934f0810af2.jpgWir Freiwilligen haben es uns auch nicht nehmen lassen und uns für die Kids einen Tanz ausgedacht. Das ganze Jahr über haben sich die Kinder sowieso am meisten gefreut, wenn auch wir Freiwilligen mal unsere Tanzkünste ausgepackt haben. Wir haben uns den Song „This is me“ ausgesucht und mit jedem Tanzschritt einen ermutigenden Auftritt schaffen wollen. Das Lied sollte den Kindern Kraft geben, dass auch wenn sie von der Straße kommen und schwere Sachen erlebt haben, wir an sie glauben und überzeugt sind, dass sie zu großen Dingen bereit sind. Sicherlich haben die wenigstens die Botschaft wirklich verstanden, aber es war uns trotzdem eine Herzensangelegenheit.

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Die letzte Woche in Indien habe ich mich Stück für Stück von den anderen Projekten, den Mitarbeitern, der Stadt Vijayawada und Indien verabschiedet. Ich war an den verschiedenen Stellen, habe nochmal gesagt, was ich gesagt haben wollte.

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eine wundervolle Frau, die für Konsultationen der Kinder zuständig ist und dann nach bestem Gewissen entscheidet, was mit dem Kind passiert. Sie war mir das ein oder andere Mal eine große Stütze bei manchen Kindern
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Unsere Köchin und liebenswerte, aber auch temperamentvolle indische Power-Frau

Dann habe ich auch einen Tag gemeinsam mit Justus eine Rundtour durch Vijayawada und Umgebung gemacht und wir haben nochmal eine alte Burgruine und die Riesenstatue vom Affengott Hannuman besucht.

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Die Zeit über habe ich vor allem auch genossen nochmal mit meinen Mitfreiwilligen über viele wichtige Dinge zu sprechen. Zurzeit kennen wir uns gegenseitig einfach am besten und es sind sie ehrlichsten Unterhaltungen gewesen.

Ich habe nochmal das gute Essen hier genossen und all die Dinge gemacht, die mir das Jahr über wichtig wurden. Wir haben es dann auch endlich geschafft mal in ein richtig besonderes Kino zu gehen und unseren letzten Telugu-Film (Tollywood) zu schauen.

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Gesegnet wie wir sowieso schon das ganze Jahr über waren, hatten wir auch noch das Glück, dass Justus und ich den selben Flieger wie Tobi und Johnny nach Delhi hatten.

Wir wurden dann begleitet von all unseren lieben Mitfreiwilligen zum Flughafen gebracht und hatten zum Abschluss auch nochmal eine durch und durch indische Autofahrt, mit Hupen, Schlangenlinien und doppelt so vielen Mitfahrenden wie Plätze.

Am Flughafen angekommen wurden letzte emotionale, dankbare und schwere Worte ausgetauscht, aber schlussendlich wussten wir alle: es ist Zeit zu gehen.

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Ich hatte das Glück, nicht sagen zu müssen: halt, ich kann noch nicht gehen! ich bin noch nicht fertig! nein, ich hatte wirklich das Gefühl alle Chancen bestens ausgenutzt zu haben, keine Rechnung offen zu haben und nichts verpasst zu haben.

Ein Abschied, der mir aber fast am schwersten gefallen ist, war der, von meiner indischen Freundin und engen Vertrauten. sie hatte mir viele Dinge über die indische Kultur besser erklären können, hat mir ganz andere Einblicke in das Leben einer indischen Familie gewährleistet und war immer seelische Stütze. Während ich die Österreicher und anderen Deutschen dank dem Zug ganz gut erreichen kann, bleibt es komplizierter Nalini wiederzusehen und der Abschied erschien endgültiger.2c216b90-3451-4fcc-9439-e5342cfc281e.jpg

Aber mit dem Blick nach vorn, ging die Reise los. Begleitet von einigen Problemchen mit dem Gewicht des Gepäcks, sind wir vier dann nach Delhi geflogen und haben unser Flughafenhotel bezogen.

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Bis in die späte Nacht hinein hatten wir dann noch ernste und weniger ernste Gespräche. Denn eine Durchgangstür zwischen dem Zimmer der Österreicher und unserem erlaubte es uns noch ein letztes Mal das richtige WG-Leben zu genießen.

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Ein letztes indisches Frühstück konnten wir dann auch noch gemeinsam erleben bis wir uns in Delhi dann auch noch verabschieden mussten und uns damit vom letzten Stückchen Heimat Vijayawada und Indien trennten.

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Für unseren Flug nach Frankfurt trafen wir dann auch Debora wieder, unsere dritte BDKJ-Indien-Freiwillige, die von Trivandrum kam.

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Nach einer sicheren Landung in Frankfurt, wurden wir drei von unseren Familien herzlichst in Empfang genommen. Und nachdem die Nachricht aus Wien kam, dass auch Johnny und Tobi sicher gelandet waren, konnten wir alle beruhigt zurück nach München, Tübingen und Halle fahren.

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