Debora und Cara auf Tour – Teil 2

Glücklicherweise ist mein Urlaub noch nicht vorbei und unsere nächsten Stopps folgen:

3. Stopp: Puducherry/Pondicherry

Nach einer entspannten Zugfahrt kommen wir in Puducherry (engl.) oder auch Pondicherry (Tamil = regionale Sprache) an. Diese Stadt gehört zum gleichnamigen Unionsterritorium. In Indien gibt es sieben Unionsterritorien, u.a. Delhi oder die Andamanen und Nikobaren. Das Gebiet war bis Mitte des 20. Jahrhunderts unter französischer Herrschaft und so trifft man dort viele französische Touristen oder kann es sich in französischen Cafés bequem machen.

In Puducherry befindet sich ein Don Bosco Projekt und da mein Projekt Navajeevan Bala Bhavan ja ebenfalls zu Don Bosco gehört, stand es außer Frage, dass die Priester uns dort aufnehmen. Mir war diese Ehre gar nicht bewusst, aber als unser Vize-Provinzial vor einigen Monaten zu Besuch war, hat er das direkt für mich arrangiert. Die Gemeinschaft der Salesianer Don Boscos sind in ganz Indien verteilt und Gäste aufzunehmen ist für sie eine häufige Selbstverständlichkeit. So wurden wir vom Bahnhof abgeholt und nachdem ich es gar nicht fassen konnte, dass ich hier wirklich ein Zimmer für mich bekomme, haben wir mit den Fathers zu Abend gegessen.

Mittwochmorgen haben wir dann spontan entschieden nach Auroville zu fahren. Die Stadt liegt ca. 9 km außerhalb von Puducherry und ist ein besonderer und sehr spiritueller Ort. Die Idee hinter dieser Stadt ist es, einen Ort der Gemeinschaft zu kreieren. Ein Ort, an dem jeder frei ist, an dem man sich entfalten kann, an dem man sich bilden und Selbstverwirklichung kann – ein Ort, an dem Gemeinschaft regiert.

In Auroville gibt es keine Religion, sondern es ist ständig vom „Göttlichen“ die Rede. Dazu gibt es im Zentrum ein Gebilde, das Martimandri genannt wird und wo sich anscheinend die gesamte Spiritualität bündelt. Darin soll man sich ganz auf sich konzentrieren können.

Ich fand Auroville einfach nur faszinierend. Es scheint eine ganz ferne Philosophie dahinter zu stehen, eine für Außenstehende schwer zu verstehende Magie, die alle Bewohner dazu bewegt dort das Leben aktiv mitzugestalten. Ich kann jedem nur ans Herz legen sich das Präsentationsvideos anzuschauen und ein bisschen zu versuchen, das ganze Konzept und Lebenssystem dieser Stadt zu verstehen.

Da sich unser Glück von wundervollen Begegnungen wirklich Tag für Tag durchgezogen hat, bekamen wir sogar die Möglichkeit mit ein paar Bewohner dieser Stadt zu sprechen. Viele von ihnen wollen ungern wieder woanders wohnen. Diese Stadt soll ein Ort von weltlicher Gemeinschaft sein, es wohnen also Menschen von über 50 Nationen dort. Eine Frau aus Frankreich, die in Paris gewohnt hat, erzählte mir, dass sie seit 12 Jahren hier wohnt und Frankreich kein bisschen vermisst. Ein Frau aus den Niederlanden kommt seit 18 Jahren regelmäßig nach Auroville und versucht nun komplett dorthin zu ziehen.

Neben dem Kennenlernen dieses besonderen Ortes haben wir aber auch die Stadt Puducherry erkundet. Einer der Fathers nahm uns mit, zeigte uns riesige Kirchen, den Strand und lud uns zum europäischen Abendessen ein.

Aufgrund der französischen Geschichte in Puducherry gibt es auch heute noch ein Stadtviertel, das ein wenig französischen Flair versprüht. Man findet kleine Cafés und mehr weiße Häuser als normalerweise. Deswegen wird dieses Viertel auch als White Town bezeichnet. Ich habe mich besonders gefreut hier wieder richtigen Kaffee zu genießen!

Leider war unser Aufenthalt in Puducherry nur recht kurz und so ging es Freitagmorgen zurück nach Chennai, damit wir dort am Abend in den Zug nach Ernakulam steigen konnten.

4. Stopp: Ernakulam/Kochi

Am Samstagmorgen sind wir dann angekommen und wurden von einem befreundeten Priester von Debora in Empfang genommen. Father Gregory ist ein Priester, der schon seit vielen Jahren immer mal in Deutschland lebt und dort als Pfarrer tätig ist. Im März wird er für ein Jahr in Deutschland als Kaplan arbeiten. Dadurch versteht er Deutsch natürlich perfekt und Deutsch mit indischen Akzent zu hören, war für mich eine richtige Freude!

Father Gregory hat sich auch um unseren Schlafplätze gekümmert und da kam er mit einer riesigen Überraschung: wir hatten ein ganzes Haus für uns alleine! Eine befreundete Familie von ihm hat dieses Haus letztens erst renoviert und bevor sie es vermieten werden, durften wir noch ein paar Tage darin wohnen.

Diese Familie hat uns dann auch ein bisschen herumgeführt. Als Ernakulam wird die neue, moderne Stadt bezeichnet, die sich herausgebildet hat als Kochi an Bedeutung gewann. Kochi ist eine Halbinsel und durch deren Nähe zum Ozean der Hafen und die Fischerei der Stadt mehr und mehr Wichtigkeit gab.

Am Fort Kochi haben wir die riesigen chinesischen Fischernetze gesehen, die an langen Stöckern aufgespannt und mit Seilen ins Wasser gelassen werden. Wir sind am Meer entlang spaziert und haben riesige Frachtschiffe sehen können.

Auch die Straßen von Ernakulam haben wir erkundschaftet und waren in einer faszinierenden Kunstausstellung.

Am darauffolgenden Tag hat uns Father Gregory mit einer befreundeten Ordensschwester zusammen zu Wasserfällen gebracht. Es war sehr beeindruckend mit dieser wunderschönen Natur trotz des ausbleibenden Regens.

Anschließend hatte Father Gregory eine Einladung zu einer Messe bei einem Kirchenfest und wir sind natürlich mitgekommen. Der Gottesdienst war allerdings auf Malayalam (regionale Sprache) Debora sagte dazu nur: „Cara, jetzt teilst du endlich mal mein Schicksal!“

Am Abend wurde für uns von der Ehefrau der Familie noch indisch gekocht und wir durften helfen! Zwar war unser Ergebnis nicht ganz perfekt, geschmeckt hat es aber trotzdem und mit der Erfahrung lernt man ja.

Am Montagmorgen stand auf der frühen Tagesordnung noch ein Punkt, der vor allem für Debora sehr wichtig war: ich habe die verantwortliche Schwester ihres Klosters kennengelernt. Sr Mable ist leider gerade auf Besinnungswoche und daher nicht im Kloster aber wenigstens ist diese Besinnungswoche in Ernakulam, wo wir zufällig ja auch sind. Für eine Stunde hatten wir die Erlaubnis sie zu sehen und ich konnte sie treffen. Auch wenn wir uns nur kurz gesehen haben, kann ich sagen, dass diese Frau ein unglaublicher herzlicher und liebevoller Mensch. Ich bin froh, dass Debora bei ihr lebt.

Nun geht es auf zum letzten Teil unserer Reise!

Debora und Cara auf Tour – Teil 1

Im Januar steht jetzt (endlich) mein erster Urlaub an! Mir stehen im ganzen Jahr 30 Urlaubstage zu und die ersten 10 nehme ich jetzt in Anspruch. In letzter Zeit habe ich gemerkt, dass ich den Urlaub schon nötig hatte. Durch Weihnachten und Silvester war ich teilweise noch etwas gestresst und ausgelaugt und auch im Bezug auf die Kids und die Frauen im BVK war ich in einigen Situation emotional noch zu sehr verstrickt.

Meine Reisepartnerin ist Debora. Debora und ich haben uns durch unsere BDKJ-Vorbereitungsseminare kennengelernt. Wir sind schnell sehr gute Freunde geworden und haben eine enge Beziehung entwickelt. Mit Justus zusammen sind wir die BDKJ-Indien-Gruppe und stehen in regelmäßigem Austausch. Während Justus und ich in Vijayawada (Staat Andhra Pradesh im Südosten) wohnen, arbeitet Debora im kleinen Bundesstaat Kerala ganz im Süden Indiens. Sie lebt mit Schwestern in einem Kloster und unterrichtet in einer Schule, die von den Schwestern dort geleitet wird.

Debora und ich planen seit drei Monaten nun schon unsere kleine Rundreise, die sich durch Südindien ziehen soll. Mit Rucksack auf dem Rücken und dem super ausgebauten indischen Zugnetz haben wir die perfekte Grundlage für unsere Reise. Was mich bei der Vorbereitung durchgängig beeindruckt hat, war die Tatsache, dass wir an keiner unserer Station alleine sein werden. Über drei Ecken kannte irgendwer immer irgendwen an unseren Reisezielen. So hatten wir keine Umstände mit dem Buchen von Unterkünften oder großartiger Tagesplanung. Nur mit guter Laune, Offenheit und Spontanität sind wir gestartet.

Meine Reiseroute

1. Stopp: Vijayawada

Am Mittwoch ist Debora nach 24 h Zugfahrt bei mir in Vijayawada angekommen. Trotz der langen Reise hatten wir uns so viel zu erzählen, waren so aufgeregt uns wiederzusehen und voller Vorfreude auf unseren Urlaub! Ich habe mich unglaublich darauf gefreut Debora so viel wie möglich von meinem Leben hier in Vijayawada und vor allem von meinen Projekten zu zeigen. Die zweieinhalb Tage, die wir hatten, waren voller Programm. Fünf Projekte konnten wir uns anschauen, meine lieben Menschen in Navajeevan hat sie kennenlernen können und vor allem auch meine Volo-Familie. Das war mir besonders wichtig. Auch Shopping stand natürlich auf dem Plan, denn Debora wohnt in einem Dorf. Auch wenn ich Vijayawada mittlerweile schon als kleine Stadt wahrnehme, war Debora komplett überrumpelt von dem Stadtleben. Besonders das erste Mal Fahrradfahren in Indien war eine Herausforderung, die sie aber super gemeistert hat 😉

Debora hat mir oft gesagt, dass hier alles anders ist. Beim Aussteigen aus dem Zug hatte sie das Gefühl in einem komplett anderen Land zu sein. Die Straßen, das Essen und die Umgebung sehen komplett anders aus. Auch an meinen anderen Dresscode hier musste sie sich erst anpassen. Wir konnten das beide kaum glauben, aber so unterschiedlich ist es nun mal innerhalb von Indien. Den selben Schock bekomme ich bestimmt, wenn ich dann bei ihr ankomme!

Besonders schön war es auch, dass die BDKJ-Indien-Gruppe wiedervereint war!

Nach einem besinnlichen Hügellauf am Freitagabend sind wir dann in der Nacht mit Snacks bepackt in den Zug gestiegen.

2. Stopp: Chennai

Am Samstagmorgen sind wir in Chennai angekommen und wurden von einem Bekannter einer der Schwestern in Deboras Kloster abgeholt. Der Bekannte hatte sich auch schon um unsere Unterkunft in Chennai gekümmert. Mit zwei seiner Freunde haben wir dann ein angenehmes Sightseeing-Programm bekommen.

Wir sind ein bisschen außerhalb von Chennai gewesen und waren dort in einem wunderschönen Park mit beeindruckenden Steingebilden, einem schönen Leuchtturm und toller Natur. Auch einen Strandspaziergang konnten Debora und ich genießen.

Am Sonntag und Montag wurden wir von einem anderen Bekannten und seiner Schwester rumgeführt, mit dem Debora schon vorher in Kontakt stand.

Er hat uns eine riesige Shopping-Mall gezeigt, die uns nach Europa zurückversetzt hat. Wir waren in mehreren Kirchen, einem anderem Leuchtturm und am längsten Strand Indiens, der sich in Chennai befindet.

Eine Kirche war sehr besonders. Sie wurde auf den Reliquien des Heiligen Thomas, Jünger Jesu, gebaut und gehört damit zu einer der einzigen drei Kirchen dieser Art auf der ganzen Welt (die anderen beiden: Santiago de Compostella und der Petersdom in Rom)

Aber nicht nur deswegen war die Kirche für uns besonders. Als wir die Grabstätte betreten haben, wurden wir kurz stutzig. Dort fand ein deutscher Gottesdienst statt! Die letzten Minuten, die wir noch mitbekommen konnten, haben wir sehr genossen! Nach all den englischen Messen oder Gottesdiensten auf Telugu (regionale Sprache bei mir) Bzw. Malayalam (regionale Sprache bei Debora) war das eine wundervolle Abwechslung! Der Gottesdienst fand statt, weil ein indischer Pater, der in Deutschland lebt, eine Reise nach Indien für seine Gemeindemitglieder organisiert hat. Wir kamen danach nicht umhin mit der Gruppe ins Gespräch zu kommen. Auch die deutschen Reisenden waren ganz begeistert uns zu treffen, waren wundervoll interessiert an unserer Arbeit und gaben uns ein Stück Heimat. Alle waren ganz euphorisch wegen dieser Begegnung und einige der Gruppenmitglieder kamen auf mich zu und wollten mich einfach umarmen und mir nur das Beste wünschen. Mit dem Zufall noch nicht genug, stellte sich heraus, dass der Pater zwei deutsche Freiwillige in Indien kennt. Die beiden kannten wir! Debora und ich haben sie auf einem organisationsübergreifenden Länderseminar kennengelernt und wir werden sie auch in ein paar Wochen auf einem Zwischenseminar wieder treffen. Indien ist doch ganz klein!

Die Begegnung mit der deutschen Reisegruppe hat mich unglaublich berührt. Die ganze lieben Wünsche und bestärkenden Worte haben mir sehr, sehr viel Mut geschenkt. Ein Stück Heimat in diesen Personen zu finden, war ein ganz unbekanntes und so schönes Gefühl, damit hatte ich nie gerechnet. Wie Kirche immer wieder zusammenbringt, beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue.

Wir haben unsere Tage in Chennai unfassbar genossen! All die Fürsorglichkeit der Inder hat uns gut aufbewahrt fühlen lassen. Wir hatten so viele tolle Begegnungen mit Indern, aber auch mit Menschen aus Deutschland, den Niederlanden oder Russland. Mich persönlich fasziniert die Offenheit der Menschen hier immer wieder und ich bin sehr dankbar dadurch mit so vielen wundervollen Menschen in Kontakt treten zu können. Ich wünsche mir, dass Zuhause die Menschen manchmal ihre Skepsis mehr ablegen können.

Ich genieße den Urlaub sehr und die wenigen Tage, die bisher erst vergangen sind, haben mir schon sehr viel gegeben. Ich freue mich unglaublich auf das, was uns noch bevorsteht und bewahre alle tollen Begegnungen im Herzen auf.

Mein Weihnachten in Indien

Nun war es endlich soweit: Weihnachten in diesem bunten, lauten und wundervollen Indien stand bevor! Wie damals als kleines Kind freute ich mich schon Tage vorher auf die Feierlichkeiten und alles was weihnachtlich wird.

Ich hatte einige Weihnachtsveranstaltungen, die ich besuchen sollte im Rahmen meiner Arbeit. So habe ich bereits am 21. Dezember mit meinen BVK-Mädels und den Mitarbeitern dort Weihnachten gefeiert.

Einen Tag später haben wir dann in meiner Schule Weihnachten (und auch den Ferienbeginn) gefeiert. Die Klassen, die in meinem Schulhaus unterrichtet werden, haben zusammen einen Tanz vorbereitet. Eine der Lehrerinnen hatte ihn choreografiert und er war den Eltern der Kinder gewidmet. In dem Song und mit dem Tanz sagen sie ihren Eltern Danke für die Hilfe und Unterstützung und dass sie sie sehr lieb haben. Ein herziger Tanz! Auch die Lehrerinnen und ich haben wieder zusammen getanzt. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe mich schon viel sicherer gefühlt als noch beim letzten Mal im September.

Am Sonntag war dann die große Navajeevan-Weihnachtsfeier. Alle Projekte, also wirklich alle Kinder und alle Mitarbeiter, haben sich im Chiguru, dem größten Projekt, getroffen. Nach langem Programm wurde gemeinsam zu Mittag gegessen. Es war einfach super alle Kinder mal gemeinsam zu sehen. Man kennt doch aus dem ein oder anderen Projekt manche Kinder, die man nur zu solchen Anlässen sieht und auch die anderen Freiwilligen mit ihren Kindern zu sehen, ist eher ein seltener Anblick. Besonders toll fanden es alle Kinder als wir Freiwilligen einen Tanz gemeinsam vorgeführt haben.

Ich fand es sehr interessant, dass die Weihnachtsfeiern hier alle als „Semi-Christmas“ (also Halb-Weihnachten) bezeichnet werden. Während in Deutschland schon in der gesamten Adventszeit Weihnachtsfeiern stattfinden, ist hier Weihnachten tatsächlich erst am 25. Dezember. Für die Weihnachtsfeiern wird sich natürlich rausgeputzt und so habe ich die letzten Tage über sehr viel Saree getragen und mich auch teilweise mit Schmuck behangen. Außerdem habe ich dieses Weihnachten, glaube ich, so oft das Lied „Jingle Bells“ gehört, wie mein ganzes Leben nicht. Allerdings nur die Partyversion 😉 es ist nämlich immer ein Weihnachtsmann rumgesprungen und hat Stimmung verbreitet. Interessanterweise musste der Weihnachtsmann eine Maske aufsetzen, durch die er eine weiße Hautfarbe bekam. Warum auch immer der Weihnachtsmann weiß sein muss… Auf jeder Veranstaltung wurden sich auch immer die Weihnachtswünsche entgegengeschrien nach folgendem Prinzip: der Redner auf der Bühne ruft „Merry Merry Christmas“ und die Anwesenden antworten mit „Happy Happy Christmas“ und andersrum.

Zum Heiligabend bin ich nur ins RVTC gefahren und habe dort mit den Jungs ein bisschen gequatscht und ihre neuen Spiele ausprobiert.

Leider kam dann ein Anruf von Tobi, dass Markus ins Krankenhaus gebracht werden muss. Markus, unsere gute Seele, liegt nun seit Heiligabend mit Diagnose Malaria im Krankenhaus. In der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember haben Swaan und Lilli bei ihm übernachtet, damit er nicht allein ist. Die beiden haben Weihnachten wirklich gelebt, ich bin ihnen unglaublich dankbar.

Ich bin zur Christmesse ins Chiguru gefahren und habe dort einen Telugu-Englisch-Gottesdienst erleben dürfen. Es war sehr anders als in Deutschland, denn musikalisch wurden wir nur von einer Trommel begleitet. Es wurde viel aus der Bibel gelesen und die Stimmung war ganz anders als ich es gewohnt bin, aber nicht weniger feierlich.

Und wenn nach dem Weihnachtsgottesdienst in Deutschland Sekt und Champagner ausgepackt werden, wurden bei uns die Musikboxen aufgedreht und wir haben noch über zwei Stunden nach dem Ende des Gottesdienstes mit den Kids getanzt. Das war wahnsinnig lustig und eine ganz andere Art die Geburt Jesu zu feiern und trotzdem so angemessen! Der Pfarrer sagte davor im Gottesdienst, dass Tanzen die Freude über das Wunder Jesu ganz besonders ausdrückt und das haben wir dann wörtlich genommen.

Am 25. Dezember hatten wir dann frei und unser freiwilligeninterne Weihnachtsfeier startete. Fünf Freiwillige hatten ihre Familien zu Besuch und während Flo und seine Familie Weihnachten im Urlaub feiern, haben die anderen Familien kräftig mit uns mitgefeiert. Außerdem kamen noch zwei Mädels, die ihren Dienst im Norden Indiens absolvieren und gemeinsam mit Lilli und Sophia die Vorbereitung hatten. Alle haben mitgeholfen vorzubereiten, alles aufzubauen und vor allem die Verantwortlichen fürs Essen haben ganze Arbeit geleistet.

Das Dach wurde in kurzer Zeit in eine richtige Weihnachtsoase verwandelt und als eine der Mamas das gesehen hat, bekam sie Tränen in den Augen und sagte: „nun ist endlich Weihnachten!“ Das war ein sehr berührender Moment.

Wir alle kamen dann zusammen und haben gemeinsam all die traditionellen Weihnachtslieder gesungen, haben die Weihnachtsgeschichte gelesen und die Gemeinschaft genossen. Für mich war der bewegendste Augenblick als zum Beten des Vaterunsers sich plötzlich alle wie selbstverständlich an den Händen gehalten haben.

Natürlich gab es auch Geschenke! Wir Volos haben untereinander gewichtelt und ausnahmslos jeder hat ein sehr persönliches Geschenk bekommen, was zeigt, wie gut wir uns schon kennen!

Drei von uns haben sich entschlossen, dass wir uns als Flat-Familie zu Weihnachten mal gemeinschaftlich was gönnen. Ich denke, in meinem ganzen Leben werden sich nie wieder so viele Leute in diesem Ausmaß über ein derartiges Geschenk freuen: wir haben uns eine Popodusche für jede flat gekauft. In Indien verzichtet man ja auf Klopapier, sondern nutzt nur Wasser und eine Popodusche ist dabei eine gute Unterstützung und vor allem nimmt sie viel Arbeit ab. Dieses doch eher ungewöhnliche Geschenk hat für viel Begeisterung gesorgt und musste natürlich sofort montiert werden!

Danach wurde fleißig gegessen, gequatscht und gelacht. Es war ein unglaublich schöner Abend. Danke an alle, die dieses Weihnachten unvergesslich gemacht haben und Danke für jede Unterstützung, jedes herzerwärmendes Wort und jede Umarmung!

Dies war mein erstes Weihnachten ohne meine Familie. Trotzdem habe ich Weihnachten mit Familie gefeiert. Die anderen Volos sind mir eine unglaubliche Stütze und wir sind schon so zusammengewachsen. Ich hatte Weihnachten mit der Familie: meine Volo-Familie hier und meine Familie im Herzen.

Meine Vorbereitung auf Weihnachten in Indien

Weihnachten steht vor der Tür; nur dass meine Tür dieses Jahr ganz anders aussieht.

Mir war klar: Weihnachten wird von Grund auf verschieden sein. Keine Weihnachtsbäckerei, kein Weihnachtsmarkt, kein Weihnachtsbaumkauf inklusive des familiären Schmückens, kein Schnee (oder wenigstens Kälte), keine entspannten Tage mit meinem Bruder auf der Couch, kein geheimnisvoller Heiligabend, …

Aber ich freue mich auch auf dieses ganz andere Weihnachten! Und dass ich hier doch einiges an Weihnachtsstimmung auffangen kann, liegt vor allem an meiner Mama. Pünktlich zum ersten Dezember lag eine riesige Überraschung bereit, als ich nach Hause kam: ein Paket von Daheim! Ich habe sofort meine Mama angerufen und mit ihr meine Freude zu teilen, aber sie meinte, dass ich es schon auch aufmachen muss (was ich bis dahin noch nicht gemacht hatte, weil ich glaubte, darin seien Weihnachtsgeschenke) Tatsächlich war ein Adventskalender drin! 24 gewissenhaft eingepackt und liebevoll durchdachte Päckchen, die jetzt Tag für Tag alles weihnachtlicher machen. Ich werde hauptsächlich mit Weihnachtsspezialitäten von Zuhause versorgt: Kekse, Spekulatius, Lebkuchen, Leuchtsterne, Lichterketten und sogar ein Mini-Weihnachtsbaum! Wir sind alle bemüht ein bisschen Weihnachten nach Indien und in unsere Wohnung zu tragen.

So haben wir gemeinsam schon ein gemütliches Weihnachtsbeisammensein verbringen können. Die Jungs haben Punsch selbst zusammengekocht aus frischen Zimtsternen und Orangen, die Kekse und Lebkuchen von Mama wurden gemeinsam genossen und wir haben natürlich die Weihnachtslieder ausgepackt! Es war unfassbar schön die Gemeinschaft in der Vorweihnachtszeit auch hier so zu spüren.

Steffi und ich haben am ersten Adventssonntag die Initiative ergriffen und einen Adventskranz gebastelt. Da ja sowieso Bastel-Sonntag war, waren wir eh schon in der Stimmung. Auf der Straße haben wir Palmenblätter geklaut, Bananenblätter für ganze 3 Rupees erstanden und haben dann aus einem alten indischen Reisig-Besen und ein paar Dekorationen, die wir gefunden haben, einen Kranz gemacht. Nun singen wir zu jedem Advent alle gemeinsam „Wir sagen euch an…“ und zünden die Kerzen an unserem speziellen Kranz an.

Außerdem hat Markus in den Tiefen der Volo-Flat einen Plastik-Weihnachtsbaum gefunden, den wir mit indischen Weihnachtsschmuck dekorieren konnten.

Im Shelter, der Erstaufnahmestelle, ist auch schon das weihnachtliche Bastel-Fieber ausgebrochen. Die Jungs dort werden immer mit dem Basteln der Grußkarten beauftragt und haben so 300 glitzernde und funkelnde Karten angefertigt. Natürlich haben wir auch helfen dürfen! Außerdem haben wir mit den Jungs kleine Weihnachtsbäume gebastelt als Dekoration. Die schmücken auch schon unsere Wand.

In meiner Schule wird auch schon kräftig ein Tanz für das Weihnachtsprogramm geübt.

Meine Tage vor und an Weihnachten sind bereits mit Einladungen zu den Programmen der Projekte gefüllt und auch die kleine Weihnachtsfeier von uns Freiwilligen wird geplant. Dass ich aber jeden Tag ein bisschen mehr in Weihnachtsstimmung komme, liegt vor allem an der Überraschung von meiner Mama. Danke an die beste Mama, ich hab dich sooooo lieb!

Ich bin wirklich gespannt, wie mein Weihnachten in Indien wird, aber ich bin mir sicher, dass wir alle gemeinsam ein tolles und vor allem ganz besonderes Fest verbringen werden!

Post ist da! Zweiter Rundbrief

Wie ich schon vor einigen Wochen berichtet habe, ist Teil meines Jahres auch immer die Veröffentlichung von Rundbriefen. Meine Organisation, der BDKJ, sieht es eigentlich vor, dass ich diese über einen E-Mail-Verteiler versende, aber da ich mich für das Blogschreiben entschieden habe, werde ich die Rundbriefe hier publizieren.

Post ist da! Ein (Rund-)Brief

Also es ist wieder soweit: ein Rundbrief ist fertig und voller persönlicher Empfindungen und Ansichten. Gebt mir gerne Rückmeldung, ich würde mich freuen 🙂

Rundbrief II

Unser Wochenendausflug nach Puri

Am letzten Wochenende war es wieder soweit und wir haben uns zu einem Wochenendausflug aufgemacht. Dieses Mal sollte es uns nach Puri im Bundesstaat Odisha führen. In Odisha spricht man die Sprache Oriya, so konnten wir mit unseren kleinen Telugu-Kenntnissen leider nicht glänzen. Puri ist eine (für indische Verhältnisse) kleine Stadt direkt am Meer und vor allem für das Fischen und die vielen Tempel bekannt, die viele Hindus dorthin ziehen. Damit gehört Puri zu den heiligsten Städten in ganz Indien.

So sind wir am Donnerstagabend zu neunt in den Zug gestiegen und mit etwas Verspätung losgefahren. Im Zug haben wir auch schon Hindus getroffen mit denen wir ins Gespräch kamen, nachdem sie das Gefühl hatten, mich unbedingt mit allerlei Snacks versorgen zu müssen. Die drei Männer haben 30 Stunden Zugfahrt in Kauf genommen, um nach Puri zu kommen und dort im riesigen berühmten Jagannath-Tempel zu beten.

Als wir am Freitagvormittag ankamen, sind wir erstmal losgestiefelt und haben uns ein Hotel gesucht. Da wir immer gerne sehr sparsam unterwegs sind, was die Unterkünfte angeht (wir investieren lieber in so etwas wie Essen), haben wir für uns neun zwei kleine Zimmer gefunden und dann eben etwas improvisiert 😉

Die Tage in Puri waren ein entspannter kleiner Urlaub, die uns als Gruppe zusammengebracht haben. Während wir Zuhause in Vijayawada alle unsere eigenen kleinen Dinge erledigen, überlegen wir so zusammen, was wir unternehmen wollen. Wir sind viel im Meer Baden gewesen, haben die wunderschöne Natur genossen und haben uns in gemeinsamer Runde auch mal wieder Dinge wie Pizza oder Pasta gegönnt. Das ist immer eine kleine Besonderheit neben all dem Reis und traditionellen indischen Essen, das wir sonst genießen dürfen.

Den berühmten heiligen Jagannath-Tempel dürfen Nicht-Hindus leider nicht betreten, aber wir sind trotzdem hingefahren und sind eine Runde herum gelaufen. Dabei haben wir gemerkt, wie groß dieser Tempel ist, dafür dass er mitten in der Innenstadt steht.

Was sehr ungewöhnlich für uns war, war tatsächlich das Wetter. Schon auf der Zugfahrt nach Puri haben wir gut gefroren, aber auch in Puri dann wurde es abends richtig frisch und nachts mussten wir uns in Wolldecken kuscheln. Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet, zumal die Temperatur im Durchschnitt nur 5°C kühler ist als in Vijayawada – zumindest laut Internet. Aber auch tagsüber hat man oftmals einen guten Unterschied zu Vijayawada gemerkt. Allerdings wohnen wir auch in einer der heißesten Regionen Indiens und sind die superhohen Temperaturen anscheinend schon gewohnt.

Das Allzweck-Kleidungsstück Chunni hat wieder ganze Arbeit geleistet – diesmal hauptsächlich als Decke

Am Sonntagnachmittag sind wir dann mit dem Zug in der Sleeper-Class wieder zurückgedüst nach Vijayawada.

Ich habe den Ausflug – wie alle unsere Ausflüge bisher – sehr genossen und bin sehr sehr dankbar Teil von unserer Volo-Familie sein zu dürfen. Ich bin gespannt, wo es uns als nächstes hinführt und wie wir Indien ein kleines Stück näher kennenlernen dürfen!

Festvielfalt: Diwali und Children‘s Day

Ich denke, ich hatte schon mal erwähnt, dass hier öfter Feste gefeiert werden, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Wahrscheinlich liegt das daran, dass die Feste von drei Religionen berücksichtigt werden: Hinduismus, Christentum und Islam. Diese Religionen sind in Indien am stärksten vertreten und das wird auch im Hinblick auf offizielle Feiertage respektiert. So hatten wir schon Ferien wegen Dussera oder freie Tage wegen Allerheiligen/Allerseelen und Ashura.

Da der Hinduismus aber immer noch den größten Teil ausmacht und es für die Hindus viele Gründe gibt zu feiern, erleben wir hauptsächliche hinduistische Feiertage. Diese dauern auch teilweise über einen längeren Zeitraum an. Vinayakachavithi feiert beispielsweise die Geburt des Gottes Ganeshas und dauert zwischen 6 und 11 Tagen. Ich habe wirklich das Gefühl, dass die Inder es lieben Feste zu feiern!

Letzte Woche wieder haben wir das hinduistische Lichterfest Diwali (Hindi) bzw. Deepavali (Telugu) gefeiert. Dabei sollen die vielen Lichter in der Stadt die bösen Geister vertreiben. Dazu wurden überall viele Kerzen entzündet. Vor allem die typischen Diwali-Kerzen, die Diya genannt werden und in kleinen Tontöpfchen überall massenweise erhältlich waren. Die Kinder in meiner Schule haben sie einige Tage zuvor sogar selbst geformt und bemalt!

Außerdem werden viele Lichterketten aufgehängt und natürlich darf auch ein riesiges Feuerwerk nicht fehlen. Da das Feuerwerk von vielen hier in der Stadt sehr ernst genommen wurde, war es dementsprechend laut. Am Abend vor dem Zubettgehen haben wir unser eigenes Wort nicht mehr verstanden. Das hätte sicherlich nicht nur die Geister vergrault…

Ich habe an den Feierlichkeiten im Chiguru, einem unserer Projekte, teilgenommen. Die Freiwilligen dort vor Ort haben ein Gebet und das Feuerwerk organisiert. Dabei saßen alle 100 Kinder um einen Kreis aus Lichtern, in deren Mitte eine Landkarte von Indien war. Jeder einzelne indische Bundesstaat war mit Farbpulver gekennzeichnet und eine Kerze wurde in die Mitte des Staates gestellt. Die Atmosphäre war wunderschön und beruhigend. Ich habe den Abend sehr genossen!

Für die Kinder war das Feuerwerk natürlich das größte, vor allem, als sie danach selbst ein bisschen Böllern durften. Ich habe mich eher nur an die Wunderkerzen herangewagt…

Ein anderer Feiertag folgte direkt eine Woche später am 14. November. Dieser Tag ist offizieller Children’s Day.

Im BVK, dem Ausbildungszentrum für junge Frauen gegen Kinderarbeit, sind wir am Morgen zu einer Halle gelaufen, wo Navajeevan eine Unterschriftensammlung initiiert hatte, bei der es um den Kampf gegen Kinderarbeit geht. Kinderarbeit ist in Indien ein wichtiges Thema, denn global gesehen hat Indien mit die meisten Fälle von Kinderarbeit. Schätzungen gehen von 60 bis 115 Millionen Kindern aus (Quelle: UNICEF).

Währenddessen hatten die Kinder in meiner Englisch-Schule am Nachmittag einen Verkleidungswettbewerb. Als ich ankam, waren schon alle mitten im Schminken, Verkleiden und erneutem Üben ihres Verses zum Aufsagen. Die Aufregung war greifbar, schließlich gab es ja einen Gewinner! Im Gänsemarsch sind wir dann in einen nahegelegenen Veranstaltungsraum gelaufen.

Dort durfte nach und nach jedes Kind sein Kostüm vorstellen und seinen eingeübten Vers oder kurzen Auftritt vorführen.

Den Kindern hat die ganze Show wahnsinnigen Spaß gemacht und sie haben es richtig genossen mal in eine andere Rolle zu schlüpfen.

Ich finde es toll, hier so viele Feiertage und Feste erleben zu dürfen! Jedes Mal erlebt man eine neue spannende Art, wie sich die Stadt auf das Fest vorbereitet und wie dann auch gefeiert wird. Ich freue mich schon auf das Nächste!

Was ich in meinem Kleiderschrank finde

Der Dresscode spielt in Indien eine sehr wichtige Rolle. Für Frauen gibt es verschiedene Arten von Kleidern, die man tragen kann und natürlich auch Saree.

Da Vijayawada recht konservativ ist, müssen wir uns ziemlich strikt an den Dresscode halten und als Zeichen von Respekt machen wir das auch gerne.

Viele verheiratete Frauen tragen jeden Tag einen Saree, das wird hier allgemein als besonders schön betrachtet. Manche Mädchen tragen auch gerne einen Long frock. Ich finde, das sieht teilweise wirklich wie ein Ballkleid aus, aber viele Inder machen sich gerne schick und das kann ich ja sowieso absolut verstehen. Deswegen tragen hier auch viele sehr viel Schmuck, wobei goldener Schmuck am liebsten getragen wird.

Frauen in Long frock, Saree, Punjabi (v.l.n.r.)

Die Lehrinnen meiner Schule und ich in Long frock, Punjabi und Saree (v.l.n.r.)

Was ziehe ich nun an? Also wir Freiwilligen dürfen -zum Glück- Punjabi tragen.

Das heißt man hat ein Punjabi-Top an, das wie ein einfaches Kleid mit Schlitzen an den Seiten ist. Als Hose tragen wir eine Leggins oder eine Salwar. Salwar sind weit geschnittene und sehr bequeme Hosen. Ich bleibe allerdings hauptsächlich bei den Leggins. Und dann sollte man sich noch einen Chunni überwerfen. Das ist wie ein leichter Schal, der so über den Schultern liegt, dass beide Enden am Rücken sind. Der Chunni ist vor allem dazu da, die Brust der Frau zu verdecken. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, weil er immer von meinen Schultern geglitten ist und mir einfach viel zu warm war, habe ich nun auch die Vorteile erkannt. So ein Chunni ist schon ein Allzweck-Kleidungsstück. Es dient uns als Regenschutz, Decke im viel zu kalten Kino oder Kopfkissen für einen kurzen Mittagsschlaf. Außerdem knoten wir oftmals (und vor allem beim Fahrradfahren!) einfach die Enden zusammen.

Der Chunni und die Hose sollten immer zusammenpassen, also am besten in der selben Farbe sein. Noch besser ist es, wenn sich diese Farbe dann auch noch im Punjabi-Top wiederfindet.

An den Füßen tragen hier eigentlich alle nur irgendwelche Schlappen oder Sandalen. Da ich sowieso ein großer Flip-Flop-Fan bin, freue ich mich ein Jahr nur darin rumzulaufen.

Unsere Haare sollten wir immer fest zusammengebunden und geflochten tragen. Kleine Strähnchen, die rausfliegen, sind eigentlich schon nicht mehr ganz konform. Wenn man Saree trägt, sind allerdings auch offene bzw. halboffene Haare angemessen. Gerne machen sich viele indischen Frauen auch Blumenschmuck oder Ketten in die Haare.

In anderen Bundesstaaten wie im Süden in Kerala oder rund um Dehli sind die Kleidungsregeln nicht ganz so streng, vor allem auch wegen des Tourismus dort. Einen Tourist in Vijayawada habe ich allerdings noch nie gesehen.

Ich habe mich sofort wohlgefühlt mit der neuen Art mich zu kleiden und bin morgens nur darauf bedacht eine passende Hose zu meinem Punjabi zu finden, aber zu bunt kann man in Indien sowieso nicht rumlaufen.

Volunteers‘ Meeting in Hyderabad

Am Wochenende waren wir Freiwilligen zu einem Treffen in Hyderabad eingeladen.

Hyderabad ist die viertgrößte Stadt Indiens mit 7,7 Millionen Einwohnern und liegt ca. 300 Kilometer westlich von Vijayawada, wo wir wohnen. Hyderabad ist im Nachbar-Bundesstaat Telangana und man spricht dort, genau wie bei uns, Telugu.

Die Stadt ist vor allem für seine Vielfalt an Bengals bekannt. Das sind Armreifen für Frauen, von denen sie oft einen kleinen Stapel am Arm tragen.

Navajeevan hat drei verschiedene Standorte, wo sich Projekte für Straßenkinder befinden. Das ist zum einen Vijayawada, wo sich die meisten Projekte befinden, die dann Navajeevan Bala Bhavan (NJBB) bilden. Dann gibt es natürlich noch Hyderabad, wo vier Projekte stationiert sind und Visakhapatnam, eine Stadt nördlich von Vijayawada, wo sich ebenfalls Projekte befinden. Diese alle zusammen bilden dann Don Bosco Navajeevan (DBNJ).

In Vishakapatnam arbeiten zurzeit keine Freiwilligen und in Hyderabad werden die Freiwilligen nur in eins der Projekte dauerhaft geschickt. Während wir also zu zwölft ankamen (Steffis Mama ist auf Besuch da und so war Steffi in den Ferien), waren die Hyderabad-Freiwilligen „nur“ zu fünft. Drei von ihnen sind aus Österreich und zwei von ihnen aus den Niederlanden.

Am Freitag in der Früh sind wir also mal wieder in den Zug gestiegen und kamen nach 6 Stunden pünktlich zum Mittagessen in Hyderabad an. Wir wurden für das Wochenende im Provincial House herzlich willkommen geheißen. Vijayawada gehört zur Don Bosco Provinz Hyderabad, sodass dort auch der Hauptsitz vom Provinzial ist.

Während wir am Freitag das berühmte Golkonda Fort von Hyderabad besichtigt haben, wurde unsere Stadtbesichtigung am Sonntag noch durch das Wahrzeichen der Stadt: das Charminar, so wie eine Tempelbesichtigung, Bootsfahrt und vielen anderen Punkten ergänzt.

Das Fort Golconda – eine historische Stätte

Das Charminar bildet ein H und damit den Anfangsbuchstaben der Stadt

Außerdem hatten wir am Sonntag die Möglichkeit das Projekt der anderen fünf Freiwilligen zu besuchen und so auch nochmal ein anderes Navajeevan-Projekt mit all seinen Unterschieden kennenzulernen.

Am Samstag blieben wir im Provincial House, um mehr über unseren Job als Freiwillige und die Werte, die in Don Bosco Organisationen verankert sind, zu lernen. Außerdem hatten wir die Möglichkeit in einen gemeinsamen Erfahrungsaustausch mit den anderen Freiwilligen zu kommen. Der Provinzial war aber auch sehr interessiert an unserer Wahrnehmung von Indien, den Projekten und vor allem an Verbesserungsvorschlägen. Er war unglaublich vertrauenserweckend in seinem Auftreten und ich bin sehr dankbar, dass er für die Provinz zuständig ist, in der ich arbeite.

Unser Aufenthalt wurde mit einem gemeinsamen Essen abgeschlossen. Wir besuchten ein Restaurant, das vor allem auch westlicheres Essen verkauft und so haben wir nach langer Zeit mal wieder Dinge wie Burger, Pizza oder Risotto gegessen.

Am Montag sind wir dann mit dem Zug sieben Stunden zurück nach Vijayawada gefahren.

Ich freue mich schon sehr auf das nächste Treffen in einem halben Jahr und bin gespannt, wie viel sich bis dahin geändert hat.

Unsere Volo-Familie

In unseren zwei Wohnungen sind wir jetzt 13 Freiwillige aus vier verschiedenen Nationen, die zusammen leben. Zurzeit sind wir acht Mädchen und fünf Jungs.

Österreich

Die drei Jungs heißen Jonathan (Johnny) , Tobi und Flo und sind zwei Tage nach uns angekommen. Wie Justus und ich bleiben sie auch ein Jahr hier. In Österreich gibt es eine allgemeine Wehrpflicht oder die Wahl einen Zivildienst zu machen. Daher haben die drei sich entschieden ihren Zivildienst im Rahmen eines Freiwilligendienstes hier zu machen. Tobi bestellt gerne Grüße an alle möglichen Familienmitglieder von uns, Jonathan ist unser Virtuose auf der Gitarre und Flo hat mit all den indischen Motorradfahrern gute Gesellschaft gefunden.

Vera und Anna wohnen direkt im Zimmer neben mir und teilen auch unter der Woche den Alltag mit mir. Sie sind zwei Tage vor Justus und mir angekommen. Hier in Indien machen sie ihr Praktikum für ihr Studium Soziale Arbeit. Darum werden sie auch schon Mitte November wieder zurück nach Österreich fliegen und im Sommer ihren Bachelor machen. Von Anna und Vera sollte ich mir eigentlich sehr viel von ihrem gesunden Lebensstil abschauen. Mit täglichem Yoga und Work-Out sind sie meiner Faulheit eindeutig überlegen. Außerdem sind beide hier absolute Frühstücksliebhaber.

Markus ist am längsten von uns hier. Er ist schon im Februar gekommen und deswegen unser flat-Ältester oder auch einfach „der Opa“. Das heißt sein erstes Halbjahr hat er schon hinter sich und steckt jetzt schon im zweiten. Im Februar nächsten Jahres wird er dann auch zurückfliegen. Mit Markus haben wir einen richtigen Vijayawada-Insider, denn er weiß, wo es den besten Fruit Juice gibt, wo man seine Kopien machen sollte oder wie man am schnellsten auf den Berg sprintet.

Liechtenstein

Stefanie (Steffi) kommt aus Liechtenstein. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, als wir durch Steffis Erzählungen realisiert haben, wie klein Liechtenstein echt ist. Nicht nur, dass sie keinen Bahnhof (geschweige denn einen Flughafen) oder keine einzige Autobahn in ihrem ganzen Land haben; in Steffis Reisepass ist sogar extra eine Karte von Europa, auf der ein großer Pfeil auf Liechtenstein zeigt. Dies war notwendig, weil es einige Vorfälle gab, bei denen die Passkontrollen Liechtensteiner Pässe als Fälschung sah und der Meinung waren, das Land existiere nicht. Steffi jedenfalls kommt aus dem wirklich existierenden Liechtenstein und hat auch im Frühling Abi gemacht. Sie kam zwei Wochen nach uns an und bleibt bis Mitte Dezember. Wenn Steffi einmal schläft, könnte man um sie herum ein Konzert starten, auf indische Trommeln hämmern oder die ganze Wohnung auf den Kopf stellen und sie würde weiterschlafen. Außerdem gehe ich unglaublich gerne jeden Sonntag mit ihr ein Eis essen.

Niederlande

Die beiden Niederländerinnen Wieske und Swaan sind unsere neusten Volos, weil sie als Letzte von uns ankamen. Auch sie haben die Schule abgeschlossen und nehmen sich jetzt eine Auszeit in Indien. Ihr Flug zurück steht im Februar an. Mit den beiden sprechen wir immer eine Deutsch-Englisch-Niederländisch-Mischung. Denn gerade wenn mir das Englische Wort nicht einfällt, sage ich einfach das deutsche Wort und das ähnelt dann meistens sowieso dem niederländischen Wort. So haben wir eine recht merkwürdige aber auch bunt gemischte Konversation.

Deutschland

Lilli und Sophia kamen einen Monat nach uns, machen aber so ziemlich das selbe wie wir – also auch einen weltwärts-geförderten Freiwilligendienst. Somit bleiben sie ebenfalls ein ganzes Jahr. Wir sind also sieben Freiwillige, die ein ganzes Jahr hier bleiben werden. Lilli und ich teilen auf jeden Fall unsere große Liebe zu Schokolade und so stehen unsere Snacks für einen gemeinsamen Filmabend sowieso immer schon fest. Sophia hingegen kämpft sich gerne durch das Chaos in unseren Küchen und zaubert mit wenigen Dingen ganz köstliche Sachen, während der Rest von uns eher einen großen Bogen um die Küche macht.

Zum Schluss sind da natürlich noch Justus und ich aus Deutschland.

Da hier vier Länder aufeinandertreffen, musste ich mich auch an einige neue Dialekte gewöhnen. Vor allem die Österreicher haben mich am Anfang ziemlich überfordert, aber mittlerweile weiß sogar ich es Wörter wie „fladern“, „zach“ oder „schirch“ zu benutzen. Nur wenn Steffi ihren Liechtensteiner Dialekt auspackt, bin ich immer noch halb überfordert. So habe ich hier nicht nur einen indischen Kulturaustausch, sondern noch einen mit meinen europäischen Nachbarländern – doppelter Kulturaustausch!

Die volo-Familie ist eine wahre Bereicherung für meinen Aufenthalt hier. Wir können uns über unsere Arbeit austauschen mit der Gewissheit, dass wir mit Menschen reden, die das am besten verstehen. Wir können uns gegenseitig helfen, wenn wir Schwierigkeiten mit manchen Kindern im Unterricht haben oder wenn wir eine berührende Geschichte eines Kindes verarbeiten müssen. Wir wohnen, essen und arbeiten zusammen, wir gehen uns manchmal auf die Nerven und sind oft dankbar einander zu haben.